Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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י 118 Glossen. über sieb gebracht, die Frage der jüdischen Massenwanderung abgesondert von der Palästinasacbe zu betrachten und zu behandeln. Wer seinerzeit —, als der Zionismus noch in den Kinderschuhen steckte, als man noch froh war, wenn es gelang, jedes Jahr ein paar hundert Juden in Palästina anzusiedeln, — auch nur anzudeutsn wagte, daß das jüdische, ja auch das palästinensische Interesse die Massenwanderung und die Kolonisation der Juden auch in anderen Ländern zu ordnen und zu organisieren erforderte, wurde in Acht und Bann getan. Heute zeigt es sich, wie gut es gewesen wäre, wenn man damals den verfehmten Bat befolgt hätte, wenn nicht nur gewisse Länder der Diaspora von einem bischen Judenfrage entlastet, sondern auch in verschiedenen Himmelsstrichen Stützpunkte jüdischer Wirtschaft und jüdischer Bäuerlichkeit geschaffen worden wären, heute, — da nach den großen Ermüdungen des Krieges und zuletzt nach den polnischen. Pogromen, dem nun, wie es den Anschein hat, zu größeren Entwick- Jungen berufenen heiligen Lande die furchtbare Gefahr einer Überflutung durch Hunderttausende erschreckter und zum großen Teil ungeeigneter Menschen droht. Davis Trietsch, sicherlich ein bewährter Fachmann, hofft zwar — möge er Becht behalten! — durch ״Großkolonisation und Schnellkolonisation* die Schwierigkeiten, die er nicht leugnet (״Not- Standsbedingungen nie dagewesener Art״), zu bannen und macht• beachtenswerte Vorschläge. Aber man darf andererseits nicht übersehen, daß ein zweiter Palästina-Fachmann von Buf, D. Curt Nawratzky, ״der zionistischen Organisation die Regelung der allgemeinen jüdischen Aus- Wanderung übertragen41 wissen wilE aber nicht nur nach Palästina* sondern auch nach ״sämtlichen anderen Ländern“. Wobei man sich freilich wieder nicht verhehlen kann, daß heute jüdische Einwanderungen in Länder außer Palästina im Großen und Ganzen auf geschlossene Tore stoßen dürften. Umstellung• Das ״Arbeitsamt der Sabbatfreunde“ hat einen Aufruf erlassen, in dem es die Gesetzestreuen, namentlich heimkehrende Krieger, die sich der Landwirtschaft oder dem Handwerk in Erez Jisroel zuwenden wollen, auffordert, sich zu melden, und den es mit den Worten schließt: ״Wir wollen es Euch leicht machen und Euch nach Möglichkeit hei dieser Umstellung helfen. Wir haben die Absicht, auf eigenen Gütern und in eigenen Handwerkstätten tüchtige Kräfte in diesen Berufszweigen heranzubilden, um ihnen so gleichzeitig neue Verclienstmöglichkeiten zu eröffnen“. Man kann nicht anders als das ״Arbeitsamt der Sabbatfreunde* zu diesem seinem neuen Programm beglückwünschen. Es ist keine Kleinigkeit, gleich, nachdem sich die Voraussetzungen der jüdischen Wirtschaftlichkeit in Deutschland geändert haben, sofort den notwendigen Sprung von der Einzelfürsorge zur jüdisch-sozialen Tat zu machen. Es ist ein großes Verdienst, so