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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 117 (sequence 119)
Language
German
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Glossen. 117 Jüdische Tagesgeschichte der letzten Monate und Wochen zeigt, vor einer Folge des Ententesieges, die man sich sicherlich nicht hat träumen, lassen: Die Führerschaft der Judenheit, die man schon nach Osten gleiten zai sehen vermeinte, ist wieder nach Westen, in die Sphäre der dünnsten Jüdischkeit, zurückgeglitten. Es ist wieder sehr, sehr weit geworden — nach dem andern Ende, dorthin, wo sie am dichtesten ist ... . Keine vergnügliche Erkenntnis, gewiß! Doch auch kein Anlaß zu besonderer Beunruhigung. Notwendigkeiten des ewigen Judentums können durch Zeitliches nur aufgehalten, aber nicht verhindert werden. Warum? Rücksichten auf die Weltlage — es bleibe hier unentschieden, ob man nicht einfach Notwendigkeiten sagen kann — bringen es־ mit sich, daß die Zionisten eine Konferenz in eine der Metropolen der Entente, also eine Rumpfkonferenz, einberufen müssen. Die beigischen Zionisten und ein englisch-zionistisches Blatt erklären sich für beunruhigt, die Berliner מ Jüdische Rundschau“ im Interesse der Sache für beruhigt/ Möglich, daß beide Erklärungen nicht den Stimmungen aller Zionisten hüben und drüben entsprechen, sie sind aber Jedenfalls bezeichnend für ihr Solidaritätsgefühl, um das sie zu beneiden wir Thoraleute wahrlich allen Anlaß haben. Sind wir ja selbst noch in dom Ländern der einen oder der anderen Mächtegruppe ohue gehörigen Zusammenhang und finden uns damit ab. Geschweige, daß wir uns Sorgem machen sollten, wenn eine unserer Landsmannschaften in einer Frage der Allgemeinheit nicht zu Worte kommt, oder daß wir überhaupt daran gedaeht hätten, unsere internationale Gesamtheitsmacht für unser Wollen zu organisieren und einzusetzea. Warum das? Unser Wollem ist doch nicht inhaltsarmer als das der Anderen. Daß wir unsern Band mit Gott ernst nehmen und unseres Volkes und unser zeitliches Leben darnach einzurichten uns bemühen, kann doch hinter noch so schön erträumten Zeitlichkeitsidealen jener nicht zurückstehen. Da wir auch nicht weniger sind, als sie — im Gegenteil, um ein Mehrfaches mehr — wie kommt es denn nur. daß der Reichtum Vieler doch ohnmächtiger ist. als die Armut Weniger? Wäre es nicht gut, daß wir darüber nachdanken? Ob wir den Bund mit Gott nicht etwa zu individuell, als Privatverpflichtung und Privaterwartung, genommen haben, statt mas auch um seine Gesamtheitsseite, um die Bürgschaften für die Treu• der Gesamtheit zu kümmern? Ob wir nicht aus sozusagen religiösem Egoismus die Organisation des Sieges der Thora vernachlässigten . . .? Jüdische Mass enw ander ung. Die jüdische Massenwanderang ist kein Problem von heute. Leider hat aber dieses Problem ni• das Glück gehabt, den forschenden und tätigen Eifer zu finden, den es erfordert *nd verdient. Die Orthodoxie hat sich bisher mit ihm ebensowemig Beschäftigt, wie mit manchen anderen Lebensfragen des Volkes. Dock auch der Zionismus hatia. dieser Beziehung versagt. Er hat es nie

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