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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 110 (sequence 112)
Language
German
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I io Das neue Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft. den Krieg unterbrochene kritische Ausgabe des Scherirabriefes durch B. M. Lewin. Der ständigen Belehrung ihrer Mitglieder und Freunde sind die Jahrbücher gewidmet, die sowohl streng wissenschaftliche, wie auch Volkstümlich belehrende Artikel bieten; eine Fülle von Anregungen ist im Laufe der Jahre auf allen Gebieten des jüdischen Wissens von ihnen ausgegangen. Auch der vor kurzem herausgekommene zwölfte Jahrgang reiht sich seinem Inhalt nach würdig seinen Vorgängern an, wenn er auch, durch die Kriegsverhältnisse bedingt, an Umfang den früheren nachstehen muß. Das Jahrbuch beginnt mit einem Artikel über den sogen. Zürcher S’mak von Rabb. Dr. Ch. Lauer in Biel. Es handelt sich um eine Bearbeitung und ausführliche Glossierung des von Isak b. Josef aus Corbeil i. J. 1277 verfaßten halachischen Kompendiums עמודי ד!גולדג, das auch den Titel ס׳פלצות קטן führt und allgemein als S*mak bekannt ist. Als den Verfasser dieser Kompilation vermutet Lauer einen Gelehrten Moses Heumark, Schwiegervater des als Maharil bekannten R. Jacob Halevi Mulin in Mainz, dem wir zum größten Teil unsere Minhagim, auch die Überlieferung der Synagogenmelodien verdanken. Der Zürcher S’mak ist eine von selbständiger Urteilskraft und großer Belesenheit zeugende Kommentierung des Werkes des französischen Autors, und der Bearbeiter wirkte in des Mitte des 14. Jahrhunderts in Zürich als Schulmeister. Die Bemerkungen Lauers enthalten viele wertvolle literarische und kulturgeschichtliche Ausführungen, die auch auf die Lage der Juden in der Schweiz ein bezeichnendes Licht werfen. Eine gehaltvolle und gründliche Studie widmet Elias dem Verhältnis Innocenz III. zu den Jaden. Bekanntlich war es ja dieser Papst, der i. J. 1215 auf dem Laterankonzil den Juden der christlichen Länder, ebenso wie den Sarazenen, das Schandmal der Judenabzeichen an den Kleidern aufdrückte. Elias charakterisiert Innocenz7 konsequente Judenpolitik dahin, daß sie nach seiner Anschauung nur als ״Unfreie, Knechte“, als ein ״ungern geduldetes Gastvolk“ anzusehen sind, dem alle Erniedrigung dieser Menschenklasse nach innen, wie nach außen, angetan werden müsse, das man aber nicht ausrotten dürfe, damit durch ihre bloße Existenz ״die Wahrheit des christlichen Glaubens erwiesen werde“. Aus dieser Auffassung heraus, die zunächst den Juden hohe Abgaben auferlegte, entwickelte sich auch überall da, wo die staatliche Gewalt die der Päpste ablöste, das Bestreben, die Juden als Knechte — in Überschreitung der zunächst zu ihrem Schutz gedachten Idee von der sog. ״Kammerknechtschaft“ — auch seitens der Herrscher einer rücksichtslosen Erpressung zu überantworten, so sogar durch den die italienischen und sizilianischen Juden wegen ihrer Bildung hoch schätzenden und mit ihnen teilweise zusammenarbeitenden Kaiser Friedrich II. und besonders durch Kaiser Sigismund, dessen Judenpolitik auf direkte Erpressung unserer Glaubensgenossen gerichtet war. Anschaulich schildert der Verfasser, wie die Juden auch Knechte der Kirche in einzelnen Ländern wurden; Unterstützung fand das Vorgehen der Kurie gegen sie durch die

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