Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 103 (sequence 105)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292990--03390-2296666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Josephs erzählung. 103 Heyes stellt a. a. 0. als möglich hin, ״daß Potiphar,״ allzu leichtgläubig gegen sein Weib , seinen Diener habe in Untersuchungshaft nehmen lassen. Als sich während derselben ergab, daß er des Verbrechens nicht überführt werden konnte, andererseits aber auch seine Unschuld nicht dartun konnte, entschied man sich weder für eine harte Bestrafung noch für die Freilassung, sondern für die Belassung im Gefängnisse. Seine Herrin hat sicher ihren ganzen Einfluß aufgeboten, um ihn einer wenn auch kleinen Bestrafung entgegenzufahren/‘ Dieser Erklärungsversuch hat vieles für sich, zumal die hier von Heyes gemachte Voraussetzung, daß Potiphar seinem Weibe geglaubt habe, auch vom Standpunkte dieser Auffassung aus keineswegs notwendig ist, ja sich nicht einmal empfiehlt. War auch Joseph nur Untersuchungsgefangener, dann darf man sich vielleicht dieses ganze Gefängnis als eine Art von Untersuchungsgefängnis denken. Der Oberbäcker, der schuldig befunden wird, fällt schließlich der Justiz des שר הטבחים anheim. Diesem hatte daher Pharao von Anfang an die hohen Gefangenen zur vorläufigen Gefangennahme und Feststellung der Schuldfrage übergeben. Schließlich wird wohl auch das Strafgericht an dem Oberbäcker 4022 von Potiphar bezw. unter seiner Verantwortlichkeit vollzogen. Ähnliche Ansichten, wie sie der Midrasch an den angeführten Stellen ansspricht, sind von den Rabbinen aus in den Koran und die spätere arabische Literatur gelangt; s. Israel Schapiro. Die haggadischen Elemente im erzählenden Teil des Korans I. Leipzig Fock Schließlich wäre aber auch unter Voraussetzung der Auffassung Gunkels sehr wohl denkbar, daß Joseph gerade aus dem Bewußtsein seiner Unschuld heraus und dessen sicher, daß diese einst doch an den Tag kommen werde (vgl. oben S. 6) mit voller Absicht auf jede Verteidigung verzichtet hätte, zumal ihm eine solche auch von vornherein aussichtslos erscheinen mußte. So sieht auch Josephus, Ant. H, 5,1 im wesentlichen die Dinge an: »Joseph stellte nun sein ganzes Schicksal Gott anheim und verschmähte sowohl eine Verteidigung als auch eine genaue Darlegung des Sachverhalts, vielmehr trug er schweigend seine Ketten und vertraute Gott, der die wahre Ursache seines Unglücks wisse und mächtiger sei als die, welche ,ihn ins Gefängnis geworfen“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.