Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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102 Di© Josephserzählung. ihn und tat ihn in das Gefängnis“ nachzuempfinden1). Eine innere Stimme wird ihm wohl gesagt haben, daß Joseph das ihm zur Last gelegte Verbrechen kaum begangen haben könne. Des Reinen Reinheit ebnet ihm von neuem aus den tiefsten Tiefen den Weg zu den Höhen. Potiphar selbst kann und darf aber zunächst in die Behandlung Josephs nicht Eingreifen: er setzte sich ja sonst mit sich selbst in Widerspruch und״ würde nur dazu beitragen, die Ehre seines Hauses vor der Öffentlichkeit von neuem zu gefährden. Nachdem Joseph sich durch seine ganze Art und sein ganzes Verhalten innerhalb des Gefängnisses ohnehin eine bevorzugte Stellung zu erwerben gewußt hat, auch wohl inzwischen längere Zeit verstrichen ist (40!: ויהי אחר הדברים האלה וגר״), darf Potiphar es aber wieder wagen, seinem früheren Liebling dadurch ein gewisses Maß von Wohlwollen zu bezeigen, daß er die Gelegenheit benutzt, um ihm einen Platz anzuweisen, für den Joseph vielleicht ohnehin als der einzig geeignete, mindestens als der ge• eignetste, gelten kann. Mit dieser ganzen Auffassung verschwindet nun auch die von Gunkel S. 426 hervorgehobene Auffälligkeit, daß Joseph sich gar nicht mehr verteidigt2). zielen, so wird man solche Erzählungskunst bewundern müssen״. Diese Beobachtung findet sich, was Gunkel wohl entgangen ist, wörtlich so bei J. Z. Meklenburg 5דגכתב וד??ןבלד z. St. ב) Ähnlich faßt den Zusammenhang auf: Die Geschichte Josephs angebl. von Basilius dem Großen aus Gäsarea ed. M. Weinberg I Berlin 1893, S. 55; . .. ״es war ihm aber sehr leid um ihn. Und er nahm den Joseph und warf ihn in das Gefängnis“. *) Faßt man v. 19 Ende: וידלר אפר so auf, wie Gunkel dies tut, dann kann übrigens im Ernste gar nicht gefragt werden, warum Joseph sich nicht verteidige. Abgesehen davon, daß wir nicht wissen, ob er dies nicht doch getan habe, — die Schrift erzählt uns ja nur das Wesentliehst© und nicht alle Einzelheiten — hätte ihn wohl ein über ihn erzümter und entrüsteter Potiphar, einer, der seiner Frau vollkommen geglaubt hat, kaum angehört. Philo, De Josepho IV p. 73, der annimmt, daß Potiphar kaine Verteidigung zuließ, nimmt ihm das sehr übel, meint aber — für seine Anschauungsweise sehr bezeichnend —: ״Der Mann ist vielleicht wegen seiner Unbildung milder zu beurteilen, da er sein Leben im der von Blut, Bauch und Asche angefüllten Küche zubrachte״.