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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 101 (sequence 103)
Language
German
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Die Josephserzählung. IOI für die angeblich seinen Weibe zugefügte Schmach im Grunde hafte, und daß er gegenüber seinem Lieblingsdiener, den doch er ins Haus brachte und so hoch hatte kommen lassen, alles weniger als unbefangen ist, will sie ihren Gatten dazu drängen* seine Unparteilichkeit nun um so mehr zu beweisen und gegen Joseph vorzugehen 1). Wie schwer ihm das geworden ist, dies meint man noch in den Worten: ״da nahm der Herr Josephs *) Der Sache nach ähnlich urteilt Gunkel S. 420 zu ▼v. 17 f.: So angesehen wird ihr Mann sicherlich nicht daran denken, sie zu beschuldigen. Fein ist auch die Beobachtung, »daß die erste Lüge, die sofort geschieht, und durch die das Weib sich Zeugen zu verschaffen ▼ersteht, die zweite wahrscheinlicher machen soll“. Damit bestätigt sich aber keineswegs der oben mitgeteilte Satz Gunkels, daß alles Vorangehende zeige, Potiphar habe seinem Weibe trauen müssen. Selbstverständlieh versucht diese alles, nm ihren Mann zn täuschen. Damit ist aher doch wahrhaftig in aller Welt nicht gesagt, daß der sie nicht durchschaue. A. a. O. meint Gunkel (s. auch H. L. Strack, Die Genesis, 2. Aufl. München 1905 S. 140, Proksch, Die Genesis S. 224) zu 3914: ״das Weib nennt ihren Mann ״ihn“; damit wird ihre freche Art gekennzeichnet“. Dem kann ich nicht beipflichten. Es ist im Gegenteil eine begreifliche Bücksicht, vielleicht gar ein Zeugnis ihrer Klugheit, daß sie Potiphar, den sie gewißlich meint (vgl. w. 7 und 19), vor ihrem Gesinde nicht nennt, mit dem sie sich hier, wie Gunkel u. a. richtig hervorheben, zusammenfaßt (v. 14: לצחכן בכר; wenn Lekach tob I S. 200 z. st. bemerkt: כי יחנן קולו אל תאמן בו כי ®מ ומבוח בלבו Spr. 2625» so soll damit wohl gleichfalls ein ähnlicher Gesichtspunkt angedeutet sein: Die Zusammenfassung geschieht, nm eine Stimmung zu schaffen, die verhüten soll, daß Joseph Glauben finde). Die Bemerkung Gunkels hält sich übrigens allzusehr an die deutsche Übersetzung und an unsere Schreib- oder Redeweise statt an den Text: In diesem ist nur einfach das zu erwartende Subjekt zu der dritten Personalform masc. gen. nicht noch besonders genannt, keineswegs aber das persönliche Fürwort »er“ als solches hervorgehoben. Strack a. a. O. verweist auf Spr. 7!9, wo das ehebrecherische Weib statt ״mein Mann* sage. Dieser Hinweis hat aber nicht die geringste Beweiskraft. Treffend ist die folgende Glosse hei Gunkel: ״Besonders fein ist die Änderung des Wortes ״in ihrer Hand“, Vers 22 in ״neben mir“, Vers 15: durch diese ganz geringfügige Änderung wird die Sache in ihr Gegenteil verkehrt: das Gewand, das sie ihm abgerissen hat, soll er freiwillig (man kann sich denken, wozu) abgerissen haben! Wenn es ein Zeichen wahrer Kunst ist, durch kleine Mittel große Wirkungen zu er-״

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