Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 100 (sequence 102)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292990--03387-2296663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IOO Die Josephserzählung. gewesen wäre, seiner Frau ohne weiteres zu vertrauen, hätte sie sich mit der gleichen Anklage gegen irgend einen anderen gewendet. Nunmehr, da Joseph von ihr beschuldigt wurde, fühlt er sich in einer Zwangslag?: einen Gegenbeweis hat *er nicht in Händen, und zudem hat sein Weib mit der ganzen Angelegenheit schon recht ־viel Staub aufgewirbelt, so daß es fast unmöglich ist, ihre Aussage totzuschweigen. Wohl auch darum begnügt sich das Schriftwort nicht damit zu sagen: ״Als er die Worte seiner Frau hörte, da entbrannte sein Zorn“, obwohl doch der Inhalt ihrer Rede soeben w. 17 ff. zum zweiten« mal mitgeteilt worden war, sondern fügt noch dazwischen ein: ״so und so hat mir dein Knecht getan“, was möglicherweise noch besonders auf v. 14 und 15 a verweisen soll. Man beachte die Wendung: ״dein Knecht“ v. 19, ״der Knecht, den du gebracht hast“ v. 17 •5 sie ist im Munde der Frau Potiphars außerordentlich geschickt. Indem sie andeutet, daß Potiphar der erste Empfehlungsbrief eines Unbekannten ist, ganz zuletzt. Für einen Joseph dürfte es eine weit größere Versuchung sein, wenn ein nicht gewöhnliches Weib ihn zu verführen versucht. Es wird uns daher erzählt, daß nicht zunächst Josephs Schönheit, sondern die Erfolge seines Geistes den gewinnenden Eindruck auf seine Herrin gemacht. Seine Schönheit gab diesem Eindruck nur die überwältigende Steigerung“. Hinzukommt, daß in der bezüglichen Anordnung der Schriftverse auch nach dem einfachen Schriftsinn der Gedanke zum Ausdruck kommt, den der Midrasch (Ber. r. Kap. 87; s. aber vor allem Tanch. Jel. ed. B. Epstein S. 81 und Midr. haggadol S. 583) und ihm folgend Raschi z. St. in seiner volkstümlichen Art näher ausführt, daß nämlich Joseph auf der Höhe seiner Erfolge selber erst recht seiner Schönheit froh wurde und diese pflegte. Zu der Bemerkung Hirschs ist noch Tanch. Jel. S. 73 zu vergleichen, aber zu betonen, daß auch eine andere Auffassung nicht unmöglich ist, und vielleicht gerade der Umstand, daß Joseph durch Potiphars Weib versucht worden ist, dazu beitrug, ihn stark zu machen; s. weiter unten und v. 9. Natürlich wäre Joseph, — so müßte man kraft einer solchen Erklärung annehmen —, einer anderen Versuchung ebensowenig erlegen und hätte dann noch andere Gegenkräfte in sich gefunden; hier hat ihm aber das in ihn von seiten seines Herrn gesetzte große Vertrauen, seine Dankbarkeit und sein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl doppelt dazu verholfen, alle Versuchungen siegreich zu bestehen. Vgl. auch Philo De Jos. IV S. 70f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.