Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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9? Die Josephserzählung. innige Verhältnis außer acht, in dem Joseph bislang zu seinem Herrn gestanden hat, dem er in einer seltenen Weise ans Herz gewachsen war und doch noch etwas mehr als ein bloßes Geldobjekt bedeutete. Gunkel behauptet allerdings: ״Alles Vorhergehende hat nur den Zweck zu zeigen, wie der Mann gar nicht anders konnte als seiner Frau glauben.“ Eine nähere Begründung hat er für diesen Satz nicht beizubringen vermocht. Dies nur beweist alles Vorangehende und will es auch wohl beweisen, daß Potiphar nicht mehr in der Lage war, die Anklage seines Weibes unbeachtet zu lassen, ja daß er vielleicht im Interesse des Ansehens und der Ehre seines Hauses genötigt ist, Joseph irgendwie zu bestrafen. So hat auch schon der Midrasch die Sachlage begriffen, der geradezu sagt: ״Potiphar erkannte, daß die gegen Joseph gerichtete Anklage falsch war. Er sprach: ich weiß, daß du mit der Sache nichts zu tun hast; aber, um nicht auf meine Kinder einen Makel kommen zu lassen, bringe ich dich in das Gefängnis.“ (Ber. r. 87!9 und bes. Jalkut zu Genesis § 146; s. auch Lekach tob I S. 100b und die Note S. 103). Jetzt erscheint aber nun auch alles folgende in einem neuen Lichte. Jacob, der 39!9 Ende gleichfalls, so wie oben angegeben, erklärt, ohne indessen von seinen Vorgängern Kenntnis zu nehmen, meint, ״die Anklage der Frau Potiphars, die ihn wohl nicht das erste Mal betrogen haben wird, sei in Wahrheit auch in den Augen Potiphars nur eine verlegene Verteidigungsrede.“ Es mag dahingestellt bleiben, ob es angängig ist, den bezüglichen Vers so aufzufassen. Auch scheint mindestens fraglich, ob man ein Recht hat, vorauszusetzen, .daß das Weib Potiphars schon früher ebenso verbrecherisch leichtsinnig gewesen ist, wie sie sich jetzt erweist. M. E. wollen die Verse 2 ff. im Gegenteil vorgreifend erklären, — auch mit daraus erklärt sich ihre den Kritikern auffällige Ausführlichkeit —, was alles Zusammenkommen mußte, um die Sinnlichkeit und Lüsternheit der Frau Potiphars zu wecken. Ohne die in ihrer Art auch sehon jetzt beispiellosen Erfolge Josephs, der von Stufe zu Stufe stieg und als ein besonderer Günstling Gottes und der Menschen