Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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80 Über jüdische Geschichtsschreibung. Geschichte der Frankfurter Gemeinde von ihren Anfängen bis znm 19. Jahrhundert behandelt, vereinigt sich Gründlichkeit der Forschung und gefällige Darstellung mit einer wahrhaft jüdischen Betrachtungsweise. So sind z. B. die Biographien von Rabbi Pinchas Horovitz und R. Nathan Adler geradezu als Kabinettstücke historischer Schilderung zu bezeichnen. Und was dem Werke seinen besonderen Wert verleiht, das ist die feine Charakterisierung der Lehrmethode der Frankfurter Geisteshelden. Während Grätz den Gedankengang und die Ausdrucksweise der polnischen Talmudgelehrten zum Verkennen ähnlich findet, weil ihm das Wissen und das Organ für die Unterscheidung abgeht, versteht es Horovitz in feinsinniger Weise, überall die Verschiedenheiten der Forschungsmethode und des Stils herauszufinden und in einer auch für den Laien verständlichen Weise darzustellen. Ich kann es mir nicht versagen, hier eine Probe dieser Dar- Stellung izu geben, und wähle dazu die Charakteristik, die Horovitz von der Lehrweise und Öen Schriften des R. Jakob Josua Falk, des bekannten Verfassers des ״Pne Jehosehua“ entwirft:! ' 0 ״Mit einer fließenden, leichtfaßlichen Darstellung, mit einer bis auf den Grund durchsichtigen Klarheit, verbindet er eine wahrheitsliebende Auffassung, wie sie bei den ältesten Erklärem des talmudischen Schrifttums gebräuchlich war. Er deutet nicht an, er sagt alles heraus, er gibt keine Winke, sondern einen vollen, klaren Einblick, und wird dennoch schneller fertig mit dem, was er will, als andere mit ihren gedankenschweren Worten. Er will aber auch nicht das, was manche andere wollen. Er will die Stelle verstehen, da, Wo viele in ihr finden wollten, was sie suchten. Er beschreibt selbst seine Methode: Ich habe den Vorsatz gefaßt, ״nichts niederzuschreiben, was von der Erforschung der Wahrheit irgendwie sich entfernt“, nur, ״wenn mir ein neuer Gedanke über eine Stelle* kommt, der mir auf der Stufe jener Methode zu stehen scheint, die unsere ״Ersten“ befolgten, erwähle ich ihn und schreibe ihn nieder.“ —