Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Über jüdische Geschichtsschreibung. 79 Um indessen die Schaffung einer jüdischen Geschichte, wie wir sie brauchen, ,zu ermöglichen, müßten noch viele Vorarbeiten geleistet werden. Vor!allem müßte in noch viel größerem Maßstabe die Einzelforschung gepffegt werden. Es ist!zwar schon manches!darin geschehen, aber es wäre von Wichtigkeit, daß die Einzelforschung immer den Blick auf das große Ganze richten würde, und daß auch bei ihr stets die Voraussetzungen zur Geltung kämen, die wir für die jüdische Geschichtsforschung im Ganzen als notwendig erkannt haben. Von der allgemeinen Geschichte sagt Berahgim: ״In der Tat haben wir ja gesehen, wie der ganze Fortschritt unserer Wissenschaft darin besteht, daß sie immer bewußte!•, umfassender und eindringlicher die Einzeltatsachen in Beziehung zu dem Ganzen und Allgemeinen der Entwicklung gesetzt hat, und wir haben verfolgen können, wie von der thematischen Fragestellung an überall die Auswahl des Stoffes, die Auswahl dessen, was uns als wissenswert und wesentlich gilt, bedingt ist.“ Was aber für die allgemeine Geschichte gilt, das gilt in derselben Weise auch für die jüdische Geschichte; und so muß auch die Lokal- und Einzelforschung von "den großen Gesichtspunkten ausgehen, die für das Ganze maßgebend sind. Hier liegt ,meines Erachtens eine! Aufgabe, auf die das Rabbinerseminar sein Augenmerk zu richten hätte; denn nur eine solche Anstalt ist imstande, die Einzelforschung systematisch zu fördern. In erster Linie wäre die so außerordentlich wichtige talmudische Epoche in Angriff zu nehmen. Hier Wären die einzelnen Lehrer zu behandeln, nicht nur in ihrer Bedeutung als Agadisten — hierfür besitzen wir schon bedeutende Arbeiten, wie z. B. die wertvolle Darstellung von Bacher — sondern auch als Vertreter der Halacha. Sie müßten in ihrer Eigenart als Forscher sowie auch als Persönlichkeiten in ihren Beziehungen zu ihren Genossen und zu ihrer Zeit betrachtet werden. — Für das Mittelalter besitzen wir das Muster einer Einzeldar- Stellung in den ״Frankfurter Rabbinen“ meines׳ verehrten Lehrers Rabbiner Horovitz s. A. In diesem Werke, das die