Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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73 Über jüdische Geschichtsschreibung. heben. Hallevi hat sich aber damit nicht begnügt;.er hat vielmehr in seitenlanger Polemik die Unwissenheit und Kritiklosigkeit seiner Vorgänger gegeißelt, ja, er hat ihnen sogar bewußte Irreführung der Leser vorgeworfen. Man kann es begreifen, daß diese Art der Polemik bei den Verehrern jener Männer, insbesondere in den Kreisen des Breslauer Seminars, schwere Verbitterung erzeugt hat. Freilich entschuldigt dies nicht die unsachliche Art, mit der man Hallevi von jener Seite bekämpfte. . In der ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ haben zuerst dii minorum gentium den auch von gegnerischer Seite anerkannten Historiker durch kleinliche Kritik herabzusetzen versucht; man hat dann auch die bewährte Methode des Totschweigens gegen ihn in Anwendung gebracht und weigert sich beharrlich, auch die unzweifelhaften Ergebnisse seiner Forschung anzuerkennen. Das ist, vom Standpunkt der Wissenschaft betrachtet, weit schlimmer als die scharfe Polemik Hallevis. — Es darf indessen nicht verschwiegen werden, daß die 'Bücher Hallevis, selbst wenn man die seitenlangen polemischen Ausführungen wegließe, in der Form, in der sie geschrieben sind, auch in einer Übersetzung für die Allgemeinheit nicht benutzbar wären; sie müßten vollkommen umgearbeitet werden. Hallevi war Autodidakt, und das zeigt sich auch in seinen Werken. Er weiß für jede seiner Behauptungen eine Fülle von Beweisen aus den Quellen zu bringen, die sie zur unumstößlichen Gewißheit machen. Aber diese Beweise sind nicht etwa dem Buche am! Schlüsse in Noten beigegeben; der ganze gelehrte kritische Apparat ist in die Darstellung hineingearbeitet, was die Übersicht natürlich ungemein erschwert und dem Laien, auch wenn er hebräisch versteht, die Benutzung nahezu unmöglich macht. Auch fehlt zu den umfangreichen Bänden jedes Register. Es 1mag hier auch noch auf die verdienstvolle Arbeit von Wolf Jawitz hingewiesen Werden, der in acht hebräisch geschriebenen Bänden, teilweise mit Benutzung der Ergebnisse Hallevis, die jüdische Geschichte von ihren Anfängen bis zum Abschluß des Talmud behandelt hat.