Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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״ Über jüdische Geschichtsschreibung. 77 gang und ihre Ausdrucksweise zum Verkennen ähnlich.“ — Auch die, wie ein Biograph sich ausdrückt, geradezu ״blindwütige Bekämpfung der Kabbala und alles Kabbalistischen“, die Herabsetzung auch der hervorragendsten Autoritäten, wenn sie irgendwie etwas mit Mystik zu tun "haben, ist ein Moment, das zeigt, daß Grätz für isehr wesentliche Seiten des Judentums das Verständnis abgeht. Wir müssen in diesem Zusammenhang auch Isaak Hallevi und sein groß angelegtes, hebräisch geschriebenes Werk דורות הראשגים berühren. Es umfaßt Jie Zeit von R. Joehanan ben Sakkai bis zum Abschluß der Epoche der Geonim. (Der letzte Band ist soeben erschienen.) Hallevi ist zweifellos ein genialer Forscher, der streng auf dem Standpunkt der Überlieferung steht, und der die jüdische Geschichte durch seine Forschungen üngemein bereichert hat. Seine Arbeiten haben über viele Perioden ein ganz neues Licht verbreitet und haben die frühere Auffassung in sehr wesentlichen Punkten berichtigt. Das Neue in seiner Methode bildet vor allem die Heranziehung des halachischen Teils des Talmud für die geschichtliche Forschung, während man früher in der Hauptsache nur die agadischen Stellen benutzt hatte. Infolge der souveränen Beherrschung des Stoffes und der ihm eigenen scharfsinnigen Beobachtungsgabe ist es ihm hier gelungen, Zusammenhänge zu entdecken und Tat- Sachen klarzulegen, die den früheren Forschern vollkommen entgangen waren. So ist Z. B. seine Darstellung über die Redaktion und den Abschluß des babylonischen Talmud von grundlegender Bedeutung. Und so ist es tief bedauerlich, daß die Resultate seiner Forschung noch nicht allgemein anerkannt und verwertet sind. Die Ursache liegt vor allem in der Heftigkeit seiner Polemik gegen die früheren Forscher, Grätz, Frankel, Weiss u. a. In der Sache ist seine Kritik zweifellos berechtigt; er hat namentlich Grätz und Weiß grobe Verstöße und grundlegende Irrtümer nachgewiesen, und es war gerade bei der Autorität, die diese Männer genießen, sein gutes Recht, dies scharf hervorzu-