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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 74 (sequence 76)
Language
German
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74 Über jüdische Geschichtsschreibung. man vergleiche z. B. die Darstellung des Durchzugs durchs rote Meer und die Erklärung der Mannaspeise. Da wir diese Umdeutung des einfachen Wortsinns der Schrift nicht mitmachen können, so müssen wir eben zugeben, daß die Periode der השגחה נסיית, der unmittelbaren göttlichen Leitung nicht mit dem Maßstab der gewöhnlichen Forschung gemessen werden kann. Erat mit der Besiedelung des heiligen Landes beginnt die Zeit der השגחה טבעיית, der natürlichen Entwicklung, bei der die Vorsehung zwar, entsprechend dem Charakter Israels als Gottesvolk, weit mehr als bei anderen Nationen, ihren Einfluß äußert, aber nur durch mittelbare Einwirkung auf den Verlauf der Ereignisse. Der Prophetismus ist zwar ebenfalls eine übernatürliche Erscheinung, aber das gilt nur für die prophetische Offenbarung. Das Wirken der Propheten — und dieses allein kommt für die historische Darstellung in Betracht — vollzieht sich im Rahmen der natürlichen Entwicklung. Und die Wunder, die z. B. Elia und Elischa verrichteten, tragen durchaus nicht den universellen Charakter und haben für die Geschichte nicht die Bedeutung wie etwa der Durchzug durchs rote Meer. Für diese also gelten ebenso wie für alle späteren Periöden der jüdischen Geschichte lediglich die beiden obenerwähnten Voraussetzungen, durch die aber der jüdische Forscher in seiner Bewegungsfreiheit nicht mehr eingeschränkt wird, als jeder andere Historiker durch seine Weltanschauung. Und diese Voraussetzungen, auf die wir unter keinen Umständen verzichten können, werden von den vorhandenen Geschichtswerken, speziell auch von Grätz, nicht erfüllt. Auf diesen Punkt wollen wir noch etwas näher eingehen.. Vor einem Jahre wurde der 100. Geburtstag von Grätz gefeiert, und bei dieser Gelegenheit wurde die Bedeutung dieses großen Historikers von allen Seiten eingehend gewürdigt. Es wird auch von keinem Unbefangenen geleugnet werden, daß Grätz sich um1 die jüdische Geschichtsschreibung unvergängliche Verdienste erworben hat. Er hat die erste

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