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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 72 (sequence 74)
Language
German
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I 72 Über jüdisehe Geschichtsschreibung. sagt auch Banke: ״Unmöglich ■wäre es, unter all den Kämpfen der Macht und der Ideen, ־welche die größten Entscheidungen in sich tragen, keine Meinung darüber zu haben.“ Und wenn der Historiker die Geschichte des eigenein Volkes erzählt, so wird er an den einzelnen Ereignissen einen um so lebendigeren Anteil nehmen, wird er um so weniger kühler, objektiver Zuschauer sein. Und die Werturteile des Historikers über die Einzeltatsachen sind in letzter Linie immer bestimmt davon,!was er als Hauptresultat der Kulturentwicklung ansieht und!als zu dessen Herbeiführung wesentlich erkennt, also von seiner Weltanschauung. Die Voraussetzungen, die wir als wesentlich für den jüdischen Historiker bezeichnet haben, können also kein Hindernis bilden für eine Geschichtsforschung in modernwissenschaftlichem Sinne. Übrigens müssen auch Historiker, die nicht auf dem Boden der Tradition stehen, zugeben, daß der Verlauf der Geschichte Israels in vieler Beziehung völlig verschieden ist von der Entwicklung aller anderen Völker der Erde. ״Auch wer nicht an Wunder glaubt,“ sagt Grätz, ״muß das Wunderähnliche im Geschichtsverlaufe des israelitischen Volkes zugeben.“ Indessen werden wir doch einen Unterschied machen müssen zwischen der Zeit vor und nach der Einwanderung in Kanaan. Unsere Weisen sagen, daß Israel in Ägypten und während der Wüstenwanderung unter der הגהגה גסיית stand, daß sie unmittelbar von Gott geführt wurden. Damit hängen die Wunder zusammen, die in Ägypten und in der Wüste sich vollzogen, die Plagen, der Durchzug durchs rote Meer, das Manna, der Mirjamsbrunnen ,usw., und damit hängt auch die so häufig eintretende unmittelbare Bestrafung der Vergehen Israels zusammen. Bei dieser Periode muß für unsere Auffassung die genetische Geschichtsbetrachtung, die die Ereignisse in ihrem Zusammenhang, in Ihrer kausalen Entwicklung darstellen will, versagen. Denn es׳ ist ja eben das Wesen jener Ereignisse, daß sie sich nicht in den Rahmen des kausalen Zusammenhangs einfügen, daß sie eine Durchbrechung der natürlichen

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