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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 69 (sequence 71)
Language
German
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Über jüdische Geschichtsschreibung. 69 stamxnung von einem Menschenpaare bilden die stärksten Träger der Überzeugung von der inneren Einheit des Menschengeschlechts. Bemheim gibt auch zu, daß die einseitig religiöse, überweltliche Auffassung jenes Gedankens im Christentum alle irdische Geschichte davor als Nichts verschwinden ließ und ihn dadurch praktisch wirkungslos machte. Im Judentum aber ist die Idee der Einheit des Menschengeschlechts immer mehr gestärkt worden durch die Propheten, die nicht müde werden, auf das Gericht Gottes in der Geschichte hinzuweisen, das sich nicht nur an Israel, sondern an allen Völkern vollzieht. Und dieser Hinweis mußte notwendig auch die Überzeugung von einer sittlichen Weltordnung, von einem Fortschritt der Menschheit kräftigen. Was nun aber die Frage betrifft, ob die früher geforderten Voraussetzungen nicht die Wissenschaftlichkeit des jüdischen Historikers beeinträchtigen müssen, so ist ja die Voraussetzungslosigkeit in der Wissenschaft überhaupt eine Utopie. Sehen wir uns doch die christlichen Forscher, vor allem die Theologen an, die über jüdische Geschichte geschrieben haben. : Für sie alle’ ist der Vorrang des Christentums vor dem Judentum eine Selbstverständlichkeit, für sie alle steht es fest, daß dieses eine Vorstufe für jenes bildet, und ihr ganzes Forschungssystem ruht auf dieser Voraussetzung. Wellhausen, Stade, Schürer, sie alle liefern unzählige Beweise für diese Behauptung. Und wenn wir die Prinzipien betrachten, nach denen die jüdischen Geschichtsforscher liberaler Richtung ihre Methode gestalten, so kann hier ebensowenig von V oraussetzungslosigkeit die Rede sein. Dafür äst Abraham Geiger ein klassisches Beispiel. Er teilt die Geschichte des Judentums in vier Perioden, die er folgendermaßen charakterisiert1): ״Die erste ist die des frischen, ungebrochenen und ungefesselten Schaffens von!innen heraus, der freien, *) Abr. Geigers nacbgel. Schriften, II. Band, S. 63.

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