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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 68 (sequence 70)
Language
German
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68 Über jüdische Geschichtsschreibung. bewußt; demnach ist die Geschichte als das vernünftige Selbstbewußtsein des menschlichen Geschlecht® anzusehen and ist diesem das, was dem einzelnen das durch die Vernunft bedingte, besonnene und zusammenhängende Bewußtsein!ist, durch dessen Ermangelung das Tier in der engen, anschaulichen Gegenwart befangen bleibt.“ Und Bernheim (Lehrbuch der historischen Methode und Geschichtsphilosophie, S. 155) bemerkt: ״Kraft ihrer innersten Eigenart erzieht somit unsere Wissenschaft das tiefe Bewußtsein von der erhaltenden Macht des Gemeingefühls, von der vernichtenden Gewalt des Egoismus. Und zwar vor allem in der Geschichte der Staaten, der Gesellschaftsgruppen. Denn da ist das Ganze, zu dem sie unablässig alles einzelne in Beziehung zu setzen hat, ja die Gesamtheit der Gemeinde, d® Staatsverbandes, der Nation und darüber hinaus die Totalität einer Weltordnung, welche Religion und Philosophie uns ahnen lassen; das Allgemeine aber, womit sie da wie überall das einzelne in Verbindung setzt, ist das typisch Menschliche, das, in allen Begebenheiten stets׳ wechselnd, doch stets ähnlich wiederkehrt.“ Im Judentum kommt dazu noch die Bedeutung der Tradition, der tausendfältige ’Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart, das geistige Band, das gleichsam die Brücke bildet von dem Stammvater bis zum letzten der Epigonen. Es Ist auch noch zu bemerken, daß Weltgeschichte im modernen Sinne überhaupt nur auf Grund der biblischen Anschauung über den Menschen möglich ist; denn sie setzt die Überzeugung von der inneren Einheit des Menschengeschlechts voraus. Bernheim hebt hervor, daß dem Altertum diese Überzeugung der menschlichen Solidarität gefehlt hat; abgesehen von einzelnen prophetischen Ausblicken der Juden auf Grund der Messiasidee, habe erst das Christentum den Gedanken einer einheitlichen Menschheit gelehrt, die durch die gemeinsamen Schicksale des Sündenfalls, der Erlösung, des Weltgerichts Zusammenhänge. Aber gerade die Messiasidee mit dem in ihr ausgesprochenen Kulturziel für die Gesamtmenschheit und die von der Bibel gelehrte Ab-

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