Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 63 (sequence 65)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292990--03350-2296626
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Über jüdische Geschichtsschreibung. 6$ Uber jüdische Geschichtsschreibung. Von Dr. I s a“k Unna, Rabbiner in Mannheim. Das Interesse für die jüdische Geschichte hat in dem letzten Jahrzehnten bedeutend zugenommen. Vorher waren es in der Hauptsache nur die wissenschaftlich interessierten Kreise, die den Forschungen auf diesem Gebiet ihre Aufmerksamkeit widmeten. Im Mittelalter hat man der Geschichte überhaupt sehr wenig Beachtung geschenkt, und die literarischen Leistungen nach dieser Richtung sind sehr gering. Der Einfluß der Kirche ließ wissenschaftliches Streben nicht zur Entwicklung gelangen, und auch der Mangel an geschichtlichem Sinn ist aus dieser Ursache zu erklären. Es!wäre also nicht zu verwundern, wenn dieser allgemeine Charakter der Zeit auch bei den Juden seine!Wirkung geäußert hätte. Denn wo, wie in dem arabischen Spanien, in der nichtjüdischen Umgebung die Wissenschaften gepflegt wurden, da haben auch die Juden reichlich daran Anteil genommen. Indessen waren hier noch andere; Ur- Sachen Von Einfluß. Bei der Literaturgeschichte interessierte weniger das Leben der Geisteshelden als der Inhalt ihrer Werke, die man studierte, und deren Ideen man in sich aufnahm. Charakteristisch hierfür ist ja auch der Gebrauch, einen Autor *nicht mit seinem Namen, sondern nach seinem Hauptwerk zu benennen; man spricht nicht von R. Sabbatai Kohen, sondern *von dem ״Schach“ (ש״ך), nicht von R. Jecheskel Landau, sondern von dem ״Noda Bihudo“. Und in den Zeiten der Ruhelosigkeit und der Verfolgungen konzentrierte sich ja überhaupt alles Interesse auf die Erforschung der Lehre; sie bildete für die Gehetzten und Gequälten den Gegenstand des Trostes und der Erhebung, sie war das Kleinod, für das man lebte und duldete. Eine methodische Erforschung der jüdischen Geschichte begann erst im׳ zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, und die Ergebnisse dieser Forschung haben erst viel später im weiteren Kreisen Eingang gefunden. Die Literaturyareiae,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.