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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 64 (sequence 66)
Language
German
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64 Über jüdische Geschichtsschreibung. die in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts in Deutschland in großer Zahl ins Leben traten, verdankten ihre Entstehung eigentlich auch nicht einem rein wissenschaftlichen Bedürfnis. Die früher so verbreitete Kenntnis des Lehrinhalts des Judentums war unter dem Einfluß der Emanzipation, des Schulzwangs und der wirtschaftlichen Verhältnisse mehr und mehr geschwunden. Der neu erwachende Antisemitismus aber machte zwischen den thoratreuen Juden und denen, die ihr Judentum praktisch völlig abgestreift hatten, keinen Unterschied. So entstandr gerade in diesen Kreisen das Bedürfnis zu wissen, wofür man alle diese Zurücksetzungen erduldete. Man wollte wenigstens etwas von der großen Vergangenheit des jüdischen Stammes erfahren und wollte dadurch das unbefriedigende Gefühl der geistigen Leere überwinden. Denn um ,die Geisteserzeugnisse des Judentums selbst kennen zu lernen, um sich in sie zu vertiefen, dazu fehlten die Vorbedingungen und wohl auch die Energie. Die Literaturvereine sollten also gewissermaßen ein Surrogat, ein Ersatzmittel sein, und deshalb hat ihre Blüte auch nur kurze Zeit gedauert. Es kam aber dann die nationale Bewegung, und mit ihr wuchs naturgemäß das Interesse für die jüdische Vergangenheit. Die Jugend, auch die gesetzestreue: Jugend, begann überall sich mit der Geschichte des jüdischen Volkes zu beschäftigen, und so trat der schon früher gefühlte Mangel an einem Geschichtswerk, das die jüdische Geschichte vom Standpunkt des überlieferten Judentums betrachtet, noch viel stärker als bisher in die Erscheinung. Daß wir ein solches Werk, das mit wissenschaftlicher Gediegenheit eine gefällige und anziehende Darstellung verbindet, noch nicht besitzen, ist eine traurige Tatsache von folgenschwerer Bedeutung, und deshalb soll dieses Problem hier etwas ausführlicher erörtert werden. Wer die jüdische Geschichte darstellen will, der muß außer den allgemeinen Anforderungen, die an jeden Geschichtsforscher gestellt werden, noch einige *besondere Vorbedingungen erfüllen. Der Geschichtsforscher muß neben

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