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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 60 (sequence 62)
Language
German
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60 Von Jaffa nach Konstantinopel. die den verschiedensten Völkern der Erde angehören, übersehen. Unvergeßlich bleibt mir der Anblick, den ich vom Turme des Sanatoriums ״Kaiserin Augusta“ gewonnen. Gerade gegenüber im Westen der Morijabe'rg mit der hochragenden Omarmoschee an Stelle des alten jüdischen Nationalheiligtums. In der Ferne im Südosten der mäandrisch sich schlängelnde Jordanstrom und dessen Mündung in das tote Meer sowie das sich darüber erhebende mächtige; Moabgebirge und dessen Spitze Pisga, die Grabstätte Moses. In ihrer stillen Größe und Erhabenheit sah ich die alte Zeugin der Geschichte der Menschheit, ihrer Ideen und Eeligionen, und ein wehmütiges Gefühl überkam mich, als ich sie verlassen mußte. Der Weg zum Bahnhof zweigt sich beim Jaffaertor, gegenüber dem Phasaelturm, wo heute eine Zitadelle ist, ab, und führt auf der Grenze zwischen Benjamin und Juda nach dem Tal Hinnom hinab, das sich südlich mit dem Gichontal und weiterhin östlich mit der Quelle En Rogel und dem Kidrontal vereinigt. In der Ebene Rephaim befindet sieh der Bahnhof. Bevor man ihn betritt, wird der Blick unwillkürlich nach rückwärts gelenkt und fällt zuerst auf die Umfassungsmauer, die die Stadt umgibt, sowie auf den Zionsberg. Die Stadt selbst erscheint ganz malerisch hingegossen, sinnend, wie im Traume verloren. Ob sie wohl an ihre einstige Größe und Herrlichkeit denkt oder von besseren künftigen Tagen träumt? Man möchte gerne selbst mitträumen. Allein die rauhe Wirklichkeit der Gegenwart fordert gebieterisch ihr Recht und drängt Vergangenheit und Zukunft mit derber Faust zurück. Es ist Zeit ,zum Einsteigen. Die schrillen Pfiffe der Lokomotive verkünden uns heiser den Abschied von der heiligen Stadt. Der Zug bewegt sieh. Bald verlieren wir jegliche Aussicht nach rechts und links. Nur vereinzelte Olivenhaine sowie terrassenförmig angelegte Gemüsegärten, von Steinmauern eingeschlossen, gewähren unserem Auge einen angenehmen Ruhepunkt inmitten dieser trostlosen Einförmigkeit von kahlen, schroffen Felsen und zerklüfteten Bergen.

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