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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 57 (sequence 59)
Language
German
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Von Jaffa nach Konstantinopel. 57 Flüchtlinge nicht beherbergen und nötigte sie, ihre Wanderung fortzusetzen. Doch hier trennten sich unsere Wege; während sieh die meisten Evakuierten nach Samaria und Galliläa begaben, fuhr ich nach Jerusalem. Der Abschied von meinen Mitbürgern und Leidensgefährten fiel mir nicht leicht. Sobald jedoch die Hauser der Kolonie meinem Gesichtskreis entschwunden waren, und ich die herrliche Aussicht von den nördlichen Hügeln gewinnen konnte, schwanden meine Trennungsschmerzen, und ich genoß die majestätische Kühe, die die blauen Berge Ephraims über das stille, weithin sich ausdehnende Quellental des Jarkon ausgossen. Vom Fuße dieser Berge grüßen die Ruinen der Festung Antipatros, die zur Zeit der Römer, spätestens zur Zeit der Kreuzzüge erbaut worden ist. Etwa zwei Stunden lang begleiten mich noch die Orangengärten von Petach Tikwa, während ich das obenerwähnte Landschafts־ bild 1m Auge behalte. Endlich steige ich aus der Talebene auf eine fruchtbare Anhöhe, und vor meinen Augen taucht eine deutsche Oase im heiligen Lande auf: die Kolonie Wilhelm a. Die Kämpfe bei Gaza zeigen auch hier ihre rückwirkenden Wellen. Infolge der außergewöhnlichen Ereignisse, die sich in der Nähe abspielen, und die das Nahen des Ungewitters auch in dieser Gegend befürchten lassen, haben sich die deutschen Ansiedler entschlossen, die Ernte; beizeiten vorzunehmen. Die Garben sind bereits aufgestapelt. Gegen Abend sitzen die Bauern vor ihren zierlichen Häuschen in der grünen Laube oder in den offenen, hübsch angelegten Gärtchen in Hemdsärmeln, die frische Abendluft genießend. Auf dem Dache eines Hauses flattert eine Fahne mit dem deutschen Reichsadler. Hier residiert der aus Jaffa geflüchtete deutsche Konsul, der liebenswürdige Herr Schabinger mit seinemStab. Der Milchwagen ist bereits mit seinem für Jerusalem bestimmten Inhalt verladen, und ich kann meine Reise fortsetzen. Bei kühlem Abendwinde fahren wir Stach Lud, wo einst eine große Tabnudschule unter

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