Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Tob Jaffa nach Konstantinopal. 55 Von "Jaffa nach Konstantinopel. Von Dr. J. Engel ans Jaffa. Der alles umgestaltende Krieg hat, wie auf allem Gebieten, so auch auf dem des Verkehrswesens große Ver- Änderungen hervorgerufen. ,Wenn die drei ersten Kreuzzug• der Welt bereits klar vor Augen geführt haben, daß der Verkehr zwischen Palästina und dem Abemdlande auf dem Wege des Festlandes ein Ding der Unmöglichkeit sei, so hat es der gegenwärtige Weltkrieg fertig gebracht, das heilige Land mit Europa durch feinen Schienenweg zu verbinden. Jerusalem ist nun fortan!nicht allein mittels Dampfer, sondern auch mit Eisenbahnwagen erreichbar. Hatten wir Bewohner Palästinas bei Kriegsausbruch, besonders nach der Verhängung der Blockade über idie kleinasiatische und syrische Küste durch die Regierungen der Entente, die Empfindung eines auf einsamer, verlassener, von aller Welt abgeschlossenen Insel sich befindenden Robinsons, so machten die während des Krieges entfalteten Energien in der Schaffung neuer Kulturwerke einem änderen Gefühle Platz, nämlich dem des Wiedererwachens des Orients aus dem Jahrhunderte lang [währenden Schlummer. Dem scheinbar erstorbenen Erdkörper Asiens wurden neue eiserne Verkehrsadern von einer bewundernswerten Länge eingefügt, die die einzelnen Länderglieder fest aneinander hefteten und ihnen einen frischen Lebensstrom zuführten. In andauernd schneller werdendem Tempo rollen Eisenbahnzüge die alten Heeresstraßen der Perser und Römer entlang. Freilich fand es der deutsche Soldat mit Recht ganz merkwürdig, daß er für seine Reise von Konstantinopel nach Palästina 12 bis 15 Tage benötigte. Der Zeitraum jedoch, den die Heere’ Alexander des Großen, Pompe jus׳ und Caesars für ihren Durchmarsch über Kleinasien und die kilikischen Pässe nach Syrien und Palästina brauchten, war von ganz anderem Umfange. Vom kriegstechnischen Gesichtspunkte aus betrachtet ist also diese Eisenbahnlinie von ungeheurem Werte.