Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Gebet für den Landesfürsten. 53 Gebet dem synagogalen Ritus schon angehörte. Es wäre dies etwa um die Mitte des 9. Jahrhunderts1). Aber, wird man mir erwidern, genügt denn diese leise, vielleicht mögliche Hindeutung auf ein Königsgebet im Targ. Scheni für eine Grundlage, auf der ein schlüssiger Beweis aufgebaut werden darf? Ich erkenne den Einwand an, der Beweis soll auch nicht als vollkommen schlüssig gelten, allein die Stelle, in die der Verleumder die Verfluchuug einschiebt, spricht für die größte Wahrscheinlichkeit, daß hier das Königsgebet seinen Platz hatte. Man beachte aber noch folgendes. Ich habe oben schon gesagt, daß alle die Anklagen und Verleumdungen, die Haman in den Mund gelegt werden, nichts anderes sind als die Zusammenfassung alles dessen, was von Judenfeinden und Judenhassern je Böses den Juden nachgesagt wurde. Und hier ergibt sich die interessante Erscheinung, daß das, was spätere Zeiten gegen die Juden vorbrachten, nichts anderes war, als was die früheren schon gesagt hatten. Der Antisemitismus der Epigonen bis in die Gegenwart hinein, und diese erst recht, ist lendenlahm, keine Spur von Originalität. Selbst die im 18. Jahrhundert aufgekommene Blutbeschuldigung kann auf Originalität keinen Anspruch erheben, denn sie hat schon in Apion ihren Vorläufer gefunden, der die Juden einen jungen Griechen mästen läßt, den sie, wenn er recht fett geworden, opfern, und dessen Eingeweide sie alsdann verzehren. Es sind alte Ladenhüter, mit denen die Antisemiten hantieren, obwohl längst ihre Wertlosigkeit erwiesen ist. Nun gehört die Verleumdung, wie sie Haman gesprochen: «Die Gesetze des Königs beachten sie nicht״ zu dem Lügner-Inventar der Anl) Der Targ. Scheni gehört ungefähr dem 10. Jahrhundert an. Es läßt sich dieses daraus schließen, daß, wie Buber in der Einl. zu dem von ihm herausg. Midrasch Abba Gorion schlagend nachgewiesen hat, dieser 3enem schon als Vorlage gedient hat (gegen Zunz. G. V.). Der erste aber, der den A. G. zitiert, ist Midr. Est. r. ('פחיחחא אות ט), der, da dieser Midr. schon den Josippon kennt, dem 10. Jahrh. angehört. Vgl. auch Munk Einl. zu seiner Ausg. v. Tg.-Sch. (אכי לדודי).