Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Daa Gebet für dea Landesfürsten. Dies müssen aber nicht ständige, in die synagogale Ordnung ©ingeführte Gebete gewesen sein. Nun weiß man, daß es bei den Juden in alter Zeit schon ein Gebet für den angestammten König gab, als sie noch eine!Nation im eigenen Lande bildeten, das jedoch nur einmal im Jahre gebetet wurde; es war dies am letzten Tage des Succothfestes, am Schemini Azereth, zur Erinnerung an den Festesgruß, mit dem die Gemeinde sich vom König Salomo am Schluß der Tempelweihe verabschiedet hatte — (I Kge. 8, 26, vgl. Tr. Rösch haschana 4 b, Räschi das. פ״ז״ר). Wenn es nun auch nicht zu bezweifeln ist, daß diese Einführung des Königsgrußes in die ersten Zeiten des ersten Tempels hinaufreicht, so ist damit noch nicht gesagt, daß auch bei den alten Juden ein ständiges Königsgebet für den angestammten König in Übung war. Dieses ist jedenfafls erst eingeführt worden, als sie unter fremden Herrschern standen, und zwar aus freien Stücken, als ein Bekenntnis der Liebe zum neuen Yaterlande und seinem Herrscher und als ein Mittel, den Patriotismus im Volke zu beleben und zu erhalten. Nebenbei mag auch noch das in chaldäischer Sprache verfaßte יקום פורקן erwähnt werden* in dem auch um das Wohl eines jüdischen fürstlichen Oberhaupts, des von dem persischen König ernannten Exilarchen, gebetet wird. Aber dieses Gebet galt weniger dem Exilarchen als dem mit Macht und Pracht ausgestatteten Fürsten, als dem Beschützer der Hochschulen und deren Meister und Jünger, also der Pflege und Erhaltung der Thora, was ja den Hauptinhalt des Gebetes ausmacht, während der Exilarch nur zusammen mit den Meistern der Hochschulen erwähnt wird. Wenn wir von der Einführung eines ständigen Königsgebetes sprechen, können wir nur an die Zeit des Exils denken. Es mag in der ersten Zeit wohl nur für die Festtage angeordnet worden sein, während man es erst später auch in die Sabbath-Liturgie einschloß. Daß dies sich wirklich so verhalten, dagegen wird nichts Stichhaltiges einzuwenden sein. Nun aber ist das merkwürdig, daß keine der älterenGebetordnungen