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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 49 (sequence 51)
Language
German
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Das Gebet für den Landesfürsten. 49 Seit wann ist das Gebet fär den Landesfürsten ein Bestand der synagogaien Liturgie? Von Prof. A. Sulzbach. Das Gebet für den Landesfürsten, bzw. die Landesregierung1), gehört zum Bestand der synagogaien Gebetordnung. Die Formel wird allerdings in frühester Zeit nicht überall gleich gewesen sein, unser הגוחן תשועה dürfte kein sehr hohes Alter beanspruchen. Seit wann aber die Einsetzung eines solchen Gebetes vorliegt, läßt sich mit Genauigkeit nicht nachweisen, wenn diese auch auf Jeremia 29, 7: ״Fördert das Wohl der Stadt . . . und betet für sie“ und auf die Mahnung in Pirke Aboth III, 2: ״Bete für das Wohl der Regierung״ zurückgeführt wird. Ob aus diesen beiden Stellen wirklich zu schließen ist, daß die nach Babylon Exilierten schon ein solches Gebet in die Gebetordnung eingeführt, oder ob es, wenn nicht schon damals, wenigstens während des zweiten Tempels, wie aus Pirke Aboth zu entnehmen, üblich gewesen ist, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn Jeremia spricht nur von dem Gebet für das Wohl der Stadt, nicht der Regierung, und der Spruch in Pirke Aboth, der sich an den Einzelnen nicht an die Gesamtheit richtet, mag vielleicht diesem empfehlen, ein Gebet für die Regierung in seine Gebete einzufügen. Allein das steht fest, daß in sehr alter Zeit schon gelegentlich für die Regierung oder den Landesfürsten gebetet wurde. Cyrus verband mit der Überweisung seiner Geschenke an den zu erbauenden Tempel die Bitte, man möge für ihn beten; ebenso hatte bereits Nebukadnezar für sich beten lassen. Man vgl. hierzu de Rossi Meor Enajim c. 56. *) Jede gesetzmäßige Landesregierung, wie die einer Eepublik, verpflichtet zu gleichem Gehorsam wie die einer Monarchie. Darum lautet die jüdische Vorschrift, wie R Nissim zu רי״ף Gittin 10 b bemerkt, nicht דיכא דבללכא, sondern דיכא דמלכות דיכא. ln seinem Commentar zu Pirke Aboth (III, 2.) urgiert Salomo bar Jizchak (לב אבות) den Ausdruck מלכות und bemerkt, daß man in Venedig ״heute“ für den hohen Kat, an dessen Spitze der Doge steht, bete. 4

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