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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 47 (sequence 49)
Language
German
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Jüdische Ratgeber. 47 Zuge entgegen, daß für ein deutsches Mussarbueh, für die Belebung durch die Dichtung, eine Anleihe bei deutschen, ja zum Teil christlich-religiösen Dichtern gemacht werden mußte. Doch, wie gesagt, das ist nur ein mehr äußerliches Moment, Aber unser Buch ist in tieferem Sinne ein deutsches Mussarbuch: es ist von einem Glücklichen für Glückliche geschrieben. Das ist kein Vorwurf. Keiner kann größere Freude darüber empfinden, daß dem im patriarchalischen Alter stehenden Verfasser ein so glückliches Leben beschieden war, keiner mit größerer Inbrunst den Wunsch aussprechen ה, יאריך ימיו ושנותיו בנעימים, als der Schreiber dieser Zeilen. Und ebenso dürfen wir uns des Umstandes freuen, daß die deutschen Juden von dem zermürbenden Druck und der tiefen Not ihrer Brüder im Osten seit langer Zeit sich frei fühlen. Aber es ist eine andere Welt, in die der Ostjude hier hineinschaut, wenn er dies Buch aufschlägt; sicherlich eine schön geordnete, in sich selbst gesicherte, aber darum auch etwas selbstzufriedene Welt. Das tief aufrührende, aus Not und Tod geborene, aus ringsum drohender Gefahr, aus Familientragik und Volksschicksal sich bietende Mussarempfinden und Mussarlehren wird er hier vermissen, das, was in der Mussarliteratur der alten Zeit, die bei uns aus der physischen und psychischen Not unseres Volkes erwachsen ist, ihm herzens- und seelenverwandt entgegenklingt. Auch uns deutschen Juden täte ein solches Jungbad in Mussar alten Stiles not. Und so lange uns nicht in neuem bestechenden Gewände der alte Inhalt geboten wird, sollten wir weit mehr als es geschieht zu den Klassikern des Mussar greifen. Unter ihnen steht an erster Stelle der חובות הלבבות, die Herzenspflichten des B. Bachja ibn Pakuda. Leider sind die deutschen Übersetzungen von Fürstenthal, Baumgarten und Stern vergriffen oder heutzutage so teuer geworden, daß sie als Volksbücher nicht in Betracht kommen. Um so dankenswerter ist .es von dem Verlag George Kramer in Hamburg, (der rühmlichst bekannten hebräischen Buchhandlung), daß er uns

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