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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 40 (sequence 42)
Language
German
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40 Keine ״Neuorientierung״. wäre, allein beiseite zu bleiben und dadurch bei der Neu- Ordnung der jüdischen Dinge ausgeschaltet zu werden usw. Oft tut man aber so, als wäre die neue Haltung der deutschen Juden in dieser Frage etwas ganz Selbstverständliches- In liberalen Kreisen weist man darauf hin, daß in den jüdischen nationalen Forderungen praktisch genommen eigentlich nichts enthalten ist, was nicht jeder Jude unterschreiben könnte, um so mehr als darin nur von den Juden des Ostens die Rede sei. In den orthodoxen Kreisen wird dagegen darauf hingewiesen, daß die jüdische Religion ihrem Charakter nach national ist, daß wir in allen unseren heiligen Büchern stets ein Volk genannt werden, daß wir in den Gebeten unsere Hoffnung auf die Rückkehr nach Zion zum Ausdruck bringen usw. Ein national gesinnter Jude kann sich diesen Gedankengangen nur anschließen, er kann sich über die Wandlung, die sich innerhalb des deutschen Judentums vollzieht, nur freuen. Aber andererseits kann er sich der Frage nicht verschließen: Wie ist dieser plötzliche Wechsel zu erklären? Sind es denn nicht gerade dieselben Kreise, die früher die jüdisch-nationalen Forderungen verwarfen, und diese ihre Stellung gerade aus der jüdischen Religion heraus zu begründen suchten?! Woher jetzt plötzlich diese Zustimmung? oder ist hier die äußere Machtverschiebung die einzige Erklärung dafür? Geht auch hier eine politische Neuorientierung vor sich, wie etwa die im Reiche, wo sich gewisse Kreise auch allzu bereitwillig auf den Boden der neuen Tatsachen gestellt haben? Ein Verhalten, das nicht gerade eine feste politische Überzeugung und eine geistige Stetigkeit verrät! Man wird mir entgegnen, es sei keine Schande von der Zeit und von den Ereignissen zu lernen. Gewiß! Aber man begreife den tieferen Sinn, der in diesen Worten liegt. Von den Ereignissen zu lernen! Das setzt eine große innere Arbeit voraus, ein Erkennen der Unzulänglichkeit des Alten. Und dazu freilich ist keine Zeit besser geeignet, als die Zeit des großen Geschehens. Denn die großen Ereignisse zwingen zu innerer Umkehr. Wenn vor unseren Augen Jahrhunderte

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