Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Keine ״Neuorientierung“. 39 ein jüdis dies Land zu machen. Um es kurz zu sagen: die Juden sind in diesem Kriege zum erstenmal als eine geschlossene Nation, als ein einheitlicher politischer Faktor aufgetreten und sind auch von den Mächten der Welt demgemäß behandelt worden. Darin liegt der tiefere Sinn der Wandlung, die sich vollzogen. Es ist von großem Interesse festzustellen, wie diese Veränderung in der internationalen Bewertung des jüdischen Volkes und in seiner politischen Stellung auf die Haltung der deutschen Judenheit eingewirkt hat. Es ist" bekannt, wie ablehnend, ja feindlich die deutschen Juden in ihrer großen Mehrheit der jüdisch-nationalen Bewegung gegenüber sich stets verhalten haben. Man muß zwar gestehen, daß die Stellung, die sie dieser Bewegung gegenüber einnahmen, von der der französischen und der englischen Juden z. B. nicht wesentlich verschieden war. Da aber das deutsche Judentum quantitativ und qualitativ stärker ist, da ferner die deutschen Juden zu dem national empfindenden Ostjudentum in viel näheren Beziehungen standen, so fiel ihre Gegnerschaft weit mehr ins Gewicht. Man wird ferner nicht fehlgehen bei der Behauptung, daß das Zentrum des prinzipiell anti-nationalen Judentums in Deutschland lag, daß von hier aus der geistige Kampf gegen das nationale Judentum geführt worden ist. In diesem Verhalten waren das orthodoxe und das liberale Judentum Deutschlands einig, wenn auch die Gründe dafür verschieden waren. Vor unseren Augen beginnt nun diese feindliche Stellung sich zu ändern. Sowohl im liberalen wie auch im orthodoxen Lager ist die Frontveränderung unverkennbar. Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes finden nun in immer breiteren Kreisen Unterstützung, es häufen sich die Solidaritätserklärungen mit den Zielen der jüdisch-nationalen Bewegung usw. Die öffentlichen Erklärungen, von denen diese Schritte begleitet werden, bewegen sich allgemein in zwei Richtungen. Sehr häufig wird offen gesagt, daß man mit den Ereignissen Schritt halten müsse, daß es für die deutsche Judenheit nicht vorteilhaft