Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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38 Kein© ״ Neuorientierung " . Keine ״Neuorientierung"! Von J. Kahan, Berlin. Der große Krieg, der seit mehr als 4 Jahren die Menschheit in zwei feindliche Lager gespalten hat, ist nun zu Ende. Nur noch eine kurze Zeit trennt uns von dem Momente, wo die Vertreter aller Völker gemeinsam an die Aufgabe herantreten werden, die zerstörte Welt wieder aufzurichten und die Be־ Ziehungen der Nationen zueinander auf neue Grundlagen zu stellen. Auch für uns Juden naht hiermit eine entscheidende Stunde. Denn die Beschlüsse der Friedenskonferenz werden auch für unsere Zukunft von einschneidender Bedeutung sein. Von ihnen wird es nicht zuletzt abhängen, ob die Judenfrage auf hört die Welt zu beschäftigen, oder ob sie nach wie vor eine der brennendsten Probleme der Menschheit bleiben wird. Wir können jedoch schon jetzt, obwohl die endgültige Entscheidung darüber noch aussteht, mit Bestimmtheit sagen, daß die Judenfrage auf dem Friedenskongreß eine uns günstige Lösung finden wird. Unsere Zuversicht erscheint begründet, weil im Laufe des Krieges in der Stellung, die die öffentliche Meinung der Welt zum Judentum und zu der jüdischen Frage einnahm, ein vollständiger Wandel sich vollzogen hat. Wie lange ist es her, daß die gesamte politische Öffentlichkeit nur eine jüdische ״Glaubensgemein schaft“ kannte, daß auch die offiziellen Vertreter der westlichen Judenheit in dem Worte ״Glaubensgenosse״ die einzig zulässige Bezeichnung eines Juden sahen? Nun ist aber der nationale Charakter unserer Gemeinschaft von aller Welt anerkannt, das einer solchen Gemeinschaft zustehende Recht auf autonome Verwaltung ihrer Angelegenheiten von allen Mächten verbürgt. Und galten denn ferner nicht die Zionisten vor nicht allzulanger Zeit als politische Schwärmer, als Utopisten? Jetzt aber ist das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina von führenden Weltmächten öffentlich anerkannt worden, und es unterliegt keinem Zweifel, daß den Juden in der einen oder der anderen Form die Möglichkeit gegeben sein wird, aus diesem Lande wieder