Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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32 Kslenderreform. dang mit dem Stande der Sonne den Menschen einhi für alle Erfordernisse ausreichende Zeitzahlung. ׳ Nur ein Nachteil war mit diesen naturgemäß verbunden; in demselben absoluten Zeitmoment mußte sich für jeden Ort der Erde eben dein jeweiligen Sonnenstände entsprechend ein anderer Wert ergeben. Die vervollkommneten Verkehrsmittel der jüngsten Vergangenheit ließen schon vor fast einem halben Jahrhundert den Mangel an einer wenigstens partiellen Vereinheitlichung der Zeit stark hervortreten; es dauerte aber noch eine geraume Zeit, bis man das theoretisch allerseits zugegebene Erfordernis der Einführung sogenannter Normalzeiten in die Praxis umsetzte. Auf der zu diesem Zweck im Jahre 1883 nach Rom und im Jahre 1884 nach Washington einberufenen ]Konferenz, bei welch letzterer 26 Staaten vertreten waren, wurde der Beschluß gefaßt, statt der bisherigen Lokalseiten eine Weltzeit einzuführen, die für größere Ländergebiete in demselben Augenblick stets dieselbe sein sollte; an der Grenzlinie sollte sie dann immer von der benachbarten Zeit um eine ganze Stunde differieren. So War, wie sich ein berühmter Astronom aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts ausdrückte, der durch die Jahrtausende schreitende und in deren Wandel selbst den mannigfaltigsten Wandlungen unterworfene Zeitbegriff endlich zum Abschluß gelangt, und damit hatte zugleich die Kulturgemeinschaft der Menschheit einen denkwürdigen und folgenreichen Sieg über das alternde Prinzip gegenseitiger Abschließung deir Völker gewonnen. Die unbestreitbaren Vorteile der neuen Einrichtung für Eisenbahn, Telegraph usw. sprangen bald ins Auge, und gegenwärtig, kaum׳ drei Jahrzehnte nach deren Einführung in Deutschland, sind die meisten Staatein des Erdenrunds dem System Ider Normalzeiten angeschlossen. Für das praktisch - jüdische Leben hat die Zeitreform, da der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Uhrenstand nirgends mehr als eine halbe bis dreiviertel Stunde betrug, keine große Bedeutung gehabt. Eine einschneidendere Wirkung brachte die seit zwei Jahren in vielen europäischen Staaten üblich gewordene