Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Kalenderruform. 3» ein Traum, der niemals zur Wirklichkeit werden wird, wenn man den Weltfrieden von einer Weltsprache erhofft. Die Sprachen der einzelnen Völkerschaften werden stets voneinander verschieden sein, wie sieh auch ihre Sitten und Gebräuche immer voneinander unterscheiden werden. Ebenso werden alle Verkehrsmittel der Neuzeit nicht verhindern können, daß der Baum ein Mittel der Trennung ist, und deshalb glaube ich nicht recht an einen alle Erdenbewohner umfassenden Völkerbund. Die Menschen müssen sieh schon über ihren irdischen Wohnort erheben, um etwas ihnen allen Gemeinsames ausfindig zu machen: das ist der Himmel mit seinen großen und kleinen Gestirnen. Diese sind für den Menschen die Regulatoren seiner Zeit, und eine der ganzen Menschheit gemeinsame Zeitzahlung wäre sicherlich ein geeignetes Mittel, die Völker einander näher zu bringen, und zugleich ein wichtiger Faktor zur Hebung der Kultur bei den auf niedriger Stufe stehenden Menschenrassen. Denn mit dem Fortschritt der Kultur haben sich auch die Maßnahmen zur Bestimmung der Zeit vervollkommnet. Auf der niedrigsten Stufe der Entwicklung genügte disUn'e Scheidung zwischen Tag und Nacht, und erst mit dem erwachenden Bedürfnisse einzelner vor den übrigen hervorragender Individuen, nach höheren Zielen zu streben, ergab sich die Notwendigkeit, das Zusammenwirken der Glieder einer Vereinigung nicht bloß dem Orte, sondern auch der Zeit nach zu präzisieren. Zunächst genügten da noch die Begriffe Morgen, Mittag, Abend und Nacht und die Übergänge zwischen ihnen. Bald aber reichten diese rohen Angaben nicht mehr aus, und man gelangte dazu, den Schatten der Sonne für kürzere, den Wechsel der Jahreszeiten und die Stellung der Sterne zur Bestimmung längerer Zeitintervalle sich dien:tbar zu ‘machen. Es fehlte aber noch der Maßstab der vollständigen Gleichmäßigkeit bei diesen von der Natur gelieferten Zeitmessern, und den verschaffte man sieh durch Anwendung mechanischer Hilfsmittel, d. i. der Uhren in den verschiedensten Formen. Erst diese Instrumente lieferten in Verbin-