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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 Alte Lösung neuer Probleme. Ding an sich, als das Wesen der Welt aufgefaßt wird, so soll hier der Wille zum Judentum das Geheimnis seines unvertilgbaren Seins, die Quelle seiner ungeschwächten Kraft offenbaren. An sieh ist ja Wille ein zielbewußtes, mit Einsicht in die Erreichbarkeit des Begehrten verbundenes Streben. Wille im eigentlichen Sinne setzt Überlegung und Zuversicht zum Erfolg voraus. Von einem solchen bewußten, über das Wünschen hinausgehenden Willen, kann nun bei der liberalen Judenheit. die beim Suchen nach den Endzielen des Judentums verzweifelt, sicherlich nicht die Rede sein. Hier muß es sich um das unfreie, nur halbbewußt von Zweckbegriffen und Motiven getriebene Wollen handeln. Ein Wollen, für das es keine Verantwortung geben kann. Es ist demgegenüber vorerst zu betonen, daß, wenn es lediglich etwas Instinktives und Gefühlsmäßiges ist, das den Juden stets zu seinem Judentum zurückführt, und wenn dieses Wollen gleich dem Schopenhauerschen Lebenswillen, unter fortwährenden Leiden und Hemmurgen sich betätigt, so muß konsequenterweise auch dieses Leben die Stätte des Elends und Jammers, des Schmerzes und der Not sein, und dann müßte auch die Verneinung des Willens zum Judentums als das höchste Ideal gelten. Es ist in der Tat ein verzweifeltes Beginnen, wenn man gerade dort, wo alle Versuche, den Daseinszweck des Judentums zu ergründen, kläglich scheitern, Israels Fortbestand auf solch hohle Basis stellt. Will man aber davon schon ganz absehen, so bleibt• doch immerhin das eine bestehen, daß dieser Wille zum Judentum, wenn er überhaupt vorhanden ist, das Rätsel des ewigen Juden nie und nimmer wird lösen können, da er selbst ein Rätsel ist. Wer übrigens die Assimilationsbestrebucgen des Judentums seit der Periode Ezechiels bis in unsere Tage verfolgt, könnte den Eindruck gewinnen, daß die großen Volksmassen im Judentum von einem solchen Willen in sehr geringem Maße durchdrungen waren. In einer sehr lesenswerten Abhandlung ״Der Wille in der jüdischen Geschichte“ (Jahxb. f. jüd. Gesch. und Lit. 1918)

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