Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Alte Lösung neuer Probleme. 5 kleinsten Erschütterung bedurfte, um ganz in Trümmer zu sinken. Auch für den Fortbestand des Judentums gelten die Worte אין אגו יכולין לקבל לא רוב טובה ולא רוב רעה. In der Diaspora ist dem Juden der grelle Sonnenschein des Glückes nicht minder unzuträglich als das Düstere der Wirtschaftliehen und politischen Nöte. Auf der Sonnenhöhe fördert . der religiöse Indifferentismus die restlose Assimilation, — im Jammertal hinwiederum verkümmern Geist und Seele, und der aufreibende Kampf gegen innere und äußere Hindernisse läßt auch den Born, des religiösen Gefühls versiegen. Erscheint es also nicht unnatürlich, daß sich Teile des Judentums immerfort von ihm abbröekeln. so wäre es religionsgeschichtlieh nicht minder begreiflich, wenn das ganze Judentum von der Bühne der Weltgeschichte schon längst verschwunden wäre. Die Pflege des religiösen Geistes, die dem Judentum immer neues Blut zuführt und es Vor Verknöeherung bewahrt^ erhält den Impuls von höheren Regungen, deren Unerschöpflichkeit nicht minder problematisch ist als die Unverwüstlichkeit des Judentums׳. Die Religion bietet somit keinS Lösung für das Problem des ewigen Juden. Es ist religionspsychologisch sehr begreiflich, daß dag Bestreben, für jenes alte Rätsel eine plausible Lösung za finden, im liberalen Judentum ein viel regeres ist, als im konservativen. Nachdem man in den erstgenannten Kreisen eingesehen hat, daß der Hinweis auf die Religion das Rätsel nicht löst, .sondern es nur hinausschiebt, glaubt man dort nun, diesen gordischen Knoten mit der Losung ״Wille zu» Judentum“ zerhauen zu können. Wenngleich die Entdecker jener geheimen Kraft es nicht aussprechen, so liegt es doch auf der Hand, daß man es hier lediglich mit einer Übertragung des Schopenhauerschen ״Willen zum Leben“ zu tua hat. Wie jener Philosoph den Willen als letzten Grund alles geistigen Geschehens energisch betont, 80 soll hier die Un- Sterblichkeit des Judentums durch einen ״Willen“, der jedem Juden gefühlsmäßig zu seiner Glaubensgemeinschaft hinführt, begreiflich gemacht werden. Wie dort der Wille als eim