Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Alte Lösung neuer Probleme. Nach alledem muß es sich sehr seltsam ausnehmen, wenn gerade jüdischerseits immer wieder der Versuch gewagt wird, mit naturalistischen Grundsätzen durchzukommen, wo die spruchbefugtesten Richtungen sich dazu außerstande erklären. Wenn es auch psychologisch sehr begreiflich ist, daß der Jude, der den Erhaltungstrieb seines Volkes in seiner Seele fühlt, ein viel stärkeres Bedürfnis empfindet, seine Lebenskraft naturgesetzlich zu erforschen und sie auf eine bestimmte wissenschaftliche Formel zu bringen, so ist doch nicht zu übersehen, daß dieser erzwungene Rationalismus jüdisch-liberaler Wissenschaftler gerade der liberalen Judenheit den Boden untergräbt. Wissen wir doch alle, wie unsäglich schwer die Mission der Vertreter des liberalen Judentums ist, die einerseits, um dem modernen Wissenschaftliehen Geschmacke zu genügen, die Grundlehren der jüdischen Religion bis zu einer philosophischen Maxime reduzieren und so die wesentlichen Differenzen zwischen dem liberalen Judentums und dem den kirchlichen Dogmatismus immer mehr absteifenden Christentum unwillkürlich verwischen, andererseits aber, um dem Judentum Existenzberechtigung zu geben, den Abgrund zwischen ihm und der Kirche als unüberbrückbar zu bezeichnen genötigt sind. In einem Atemzug mü3sen sie die Annäherung der liberalen christlichen Religionsanschauung an das Judentum mit Genugtuung hervorheben und gleichzeitig das Judentum vor dieser Anpassung warnen. Im Kampfe gegen Zionismus und nationaljüdisehe Bestrebungen sind sie gezwungen, jeden jüdischen Volksgedanken auszuschalten und die Judenheit auf die religiöse Basis zu beschränken, während sie es nicht verhüten können, daß gerade der Liberalismus diese Basis ständig verschmälert. Es ist dies die wenig beneidenswerte Rolle des Satan bei Jjob, die unsere Alten mit den Worten שבור את החבית ושמור את יינה kenn zeichneten; Von den philosophischen Zeitströmungen gedrängt, sehen sich die Führer des liberalen Judentums immer mehr genötigt, das Wesen der jüdischen Religion auf einige ethische Prinzipien zu beschränken, dadurch aber