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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Alte Lösung neuer Probleme. 3 te’auhen feie sie ihrer Eigenart und damit auch ihrer Existenzfce echtigung. Denn auch der wesentliche Inhalt des freien Christentums wird durch solche ethische Gedanken erschöpft. Wenn sich so die Kluft zwischen diesen beiden Religionssysteinen immerfort verengert, was verbürgt da noch den Fortbestand des Judentums? Der unwesentlichen Differenzen wegen wird doch das liberale Judentum für die Dauer nicht die Sklavenketten tragen wollen. Es ist ein״ offenes Geheimnis, daß keine Aufgabe dem liberalen jüdischen Theologen so sehr das Leben erschwert, als die Pflicht der Forterhaltung des Judentums in modernen jüdischen Kreisen logisch zu begründen. Die Zukunft des Judentums muß als Fortsetzung seiner Vergangenheit angesehen werden, und nur die Kraft, die bisher sein Lebensquell war, kann auch künftighin seine Trägerin sein. Es gilt also das Geheimnis zu entdecken, dem das Judentum nach der zweitausend jährigen Diaspora sein heutiges Sein verdankt. Worin liegt nun die erhaltende Kraft des Judentums? Früher stimmten konservative wie liberale Forscher darin überein, daß es die ]Religion und ihre Wissenschaft ist, in deren das Judentum Ersatz für all die fehlenden nationalen Güter fand. Nach dieser Antwort braucht man nicht lange zu suchen, sie ist hundert- und tausendfach in Bibel, Talmud und allen anderen jüdischen Schriften gegeben. Der Jude wiederholt diese Überzeugung im täglichen Gebet כי הם חייגו ואורך יסיגו, vor der offenen Thorarolls וחיי עולם נטע בתוכנו und in jeder Unterhaltung über Vergangenheit und Zukunft seines Volkes. Dieser vertrauteste Gedanke des Judentums füllt unser Sinnen und Fühlen dermaßen aus; daß wir uns nur selten dazu getrieben sehen, über diesen Gedanken hinauszugehen und nach der primären Ursache zu forschen. Denn wenn wir die Lebensquelle des Judentums in der Pflege der Religion und ihrer Wissenschaft erkennen, so dürfen wir doch dabei nieht stehen bleiben, sondern müssen weiter den Ursprung dieser Quelle zu entdecken suchen, müssen den höheren Antrieb erkennen, der das Judentum zu seiner 1*

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