Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292990--03288-2296564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6. Jahrgang Kislew-Tebeth 5679 Januar-Februar 1919 Heft 1/2 Rite Lösung neuer Probleme. Von Dr. Sigmund Jampel, Schwedt a. 0. Die Geschichtsforschung der neueren Zeit unterscheidet sich von der der alten durch die pragmatische Darstellungsweise, die sinnvolle Angliederung von Ursache und Wirkung, sowie durch das Bestreben, jedes historische Ereignis nach seiner vielseitigen Verzweigung zu untersuchen und die tiefe Verwurzelung des Geschehens bloßzulegen. Anfang und Ende alles historischen Denkens der Gegenwart ist das Kausalitätsprinzip. Äbejr wenngleich unsere Geschichtspragmatiker es so vortrefflich verstehen, jede geschichtliche Begebenheit in die kausale Kette einzuflechten, so ist es ihnen bis jetzt doch nicht gelungen, das unzerstörbare Bild des Judentums in den Rahmen natürlicher Ursächlichkeit hineinzupressen. Einem Granitfels gleich ragt der ewige Jude aus dem Stromd der Vergänglichkeit empor, und alle Wogen materialistischer Geschichtstheorien zerschellen an ihm. Ein winziges Volkehen, dem es seit zwei Jahrtausenden an den elementarsten nationalen Existenzbedingungen gebricht, sieht die gewaltigsten Nationen nacheinander dahinstürzen, während es sich auf den Ruinen jener Weltmächte, die es mit einem Schwertstreich enthaupten zu können glaubten, stets zu neuem Leben und frischem Gedeihen erhebt. Man begreift es so, wenn die berufensten Beurteiler der Völkergeschichte in diesem schwachen Gemeinwesen, das aller historischen Gesetze ßpottet, andere und höhere Kräfte vermuteu und in ernsten Stunden in jedem Juden ein lebendiges Wunder sehen. 1