Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 500 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292986--03064-2296339- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
500 Amosstudien. Doch nicht nur in Sprache, auch in Anschauung finden wir die Spuren der Thora wieder. Das Exil d. h. die Deportation durch eine fremde Macht ist nicht eine katastrophale Erscheinung, die über das schwache und wehrlose Volk hereinbricht, sondern die Strafe für ihr zerrüttetes religiöses Leben. Weil sie ihre Götzen mit sich herumtragen (5,2g)1), nach den von Gott verworfenen Kultusstätten wallfahren (5, 2f., 5)f bei falschen Göttern schwören (8,14) und ein sehlemmerhaffces Leben führen (6, 7), wird ihnen die Vertreibung aus ihrem Land verkündet. Die Verse, die dieses Thema behandeln, blieben von der Kritik unbeanstandet, weil man sie Am nicht absprechen kann. Damit stellt sich aber Ani auf den Standpunkt der Thora. Auch sie kennt das Exil als Strafe für den Abfall von Gott (Lev. 26,33. Dt. 28,47,64). Aber für sie ist das Exil nicht die Vernichtung des Volkes, sondern der Herd der Läuterung, in welchem zwar die Sünder vernichtet, die Reuigen aber zu Gott zurückkehren (Lev. 26, 40f. ׳Dt. 30,2 f.). Durch einen Gnadenakt Gottes erfolgt die Wiederherstellung des Volkes (Lev. ib. 44f. Dt. ib. 3). Auch für Am ist nicht mit dem Exil das endgiltige Schicksal des Volkes besiegelt. Auch für ihn ist es nur eine Zeit der Prüfung, aus der das Volk geläutert hervorgehen wird (9, 7 —10). Die Wiederherstellung erfolgt ebenfalls nur durch die Gnade Gottes (ib. V, 11). ג) W. ־will diese Stelle Am absprechen. Doch hätte ein späterer Interpolator nicht unbekannte assyrische Göttemamen, sondern die geläufigen בעל oder עשתרת eingesetzt (Halevy). Ferner käme die Androhung des Exils (27) ganz unvermittelt, wenn dieser Vs. fehlen würde.