Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 482 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den. litauischen ״Moralisten“. der Mussor-Bewegung und ihrer mannigfachsten Ausstrahlung offenbar von großer Bedeutung. Auf das sittliche Selbstbewußtsein der orthodoxen Judenheit muß überdies die Entstehung einer Bewegung dieser Art stärkend und hoffnungerregend wirken, zeugt sie doch von der ganzen Ursprungliehen Frische und dem Säftereichtum, der diesem Judentum innewohnt. Im Machtzenith des Materialismus und des religiösen Skeptizismus legt das im schweren Daseinskampf mit täglich sich erneuernden feindlichen Strömungen stehende alte Judentum immer von neuem Beweise seiner ungebrochenen Jugendkraft an den Tag; aus dem alten, in den Stürmen der Zeit sich entblätternden Stamm kommt neues, sich ewig verjüngendes Blühen! Ein Umstand, der diese Bewegung in ein befremdliches Licht zu rücken geeignet ist, ist der Hauch des Geheimnisvollen, der sie umgibt. Und doch gehört. diese Bewegung ganz der Gegenwart, und die Zahl derer, die ihre Anfänge miterlebt und ihre Schöpfer und Heroen von Angesicht zu Angesicht geschaut, ist Legion. Die Zahl ihrer wirklichen Kenner ist in ׳Litauen selbst gering, und der ״Moralisten“ hat sich bereits die sagenbildende Phantasie bemächtigt. Fragt man eirmn ״Baal־mussora nach dem Inhalt der neuen Lehre, so darf man folgender Erwiderung gegenwärtig sein: ״Nicht Neues fordern wir, bloß daß man an jedem Tage eine Stunde der Beschäftigung mit den ספרי־מוסר weihe, die von den Herzenspflichten des Juden und von seinem Verhältnis zu seinem Schöpfer handeln. Wir wollen dem sittlich-erbauliehen Teil der Thora wieder zu einem Ehrenplatz im Bethhamidrach verhelfen, aus dem er aus mannigfachen Gründen verbannt worden ist. In praktischer Hinsicht zielt unser Verlangen dahin, daß der Jude neben der Beachtung der Gebote, Verordnungen und Bräuche sein Herz der Bildung des Geistes, der Verbesserung seines Charakters und Erhöhung seiner Tugenden zuwende.“ Wenn dem aber so ist, woher der Haß und die Furcht, von denen die Haltung ihrer Gegner ihnen gegenüber eingegeben ist? Und die Zahl ihrer