Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 480 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Von den litauischen ״Moralisten“. es sowohl in der Erscheinung wie im Wesen vom polnischen Judentum unterscheidet. Diese Wesensverschiedenheit reicht .vollauf aus zur Erklärung jenes entgegengesetzten Verhältnisses des polnischen und des litauischen Judentums zur ,,Moralistischen Bewegung* und deren älterer Schwester: dem Chassidismus. Während der Chassidismus das Judentum Polens ganz in seinen Bann zwang, ging die Mussor-Bewegung daran spurlos vorüber. Umgekehrt in Litauen. Dasselbe litauische Judentum, das sich gegen den neuen chassidiseben Geist hermetisch abschloß und ihm jedes Verweilen in seinem Bereich gebieterisch verweigerte, dieses Judentum, das in den früheren Epochen der Sabbatai-Zwi-Wirren und des ״Frankismus“ gleich einer ehernen Mauer den heftigen Stürmen eines Vulgärmystizismus trotzte —, dasselbe Juden־ tum öffnet einer neuen religiösen Bewegung bereitwillig Tür und Tor, die bald in einen heftigen Wettkampf mit der dgs rabbinischen Judentums und deren anerkannten Trägern und Wortführern gerät. Freilich war der Mussor-Bewegung mitnichten jener Erfolg vergönnt, der dem Chassidismus beschienen war. Aus noch darzulegenden Gründen mußte ihr 3ede Massenwirkung versagt bleiben. Jhre Träger und Verkünder bilden noch heute ausschließlich Jeschiwa-Jünger, einige wenige Rabbiner und eine noch geringere Zahl von eigentlichen thorabeflissenen ״Baale-batim“. Indessen kann dieser Umstand der eigentlichen Bedeutung der Bewegung keine Einbuße tun. Ungeachtet ihrer geringen Zahl ist es ihren Anhängern, dank ihrer Energie und ihrem starken Solidaritätsgefühl, doch gelungen, einen gewissen Einfluß auf das Gemeindeleben in Litauen und Samogetien zu gewinnen, mit dem nunmehr auch ihre Gegner im öffentlichen Wirken rechnen müssen. Sie wären unzweifelhaft kraft ihrer strammen Organisation und ihres mit einem glühenden Idealist mus sich paarenden hochentwickelten sozialen Empfindens zu einer weit wichtigeren Rolle innerhalb der litauischen Orthodoxie berufen, litten sie nicht an innerer Zersplitterung und Differenzirung in mannigfache Gruppen und Konven-