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Jeschurun · 1918-08-01 · Heft 8-9 (August 1918) · p. Seite 470

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 8-9 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 470 (sequence 34)
Language
German
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470 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. Birnbaum will mit seinen Ausführungen nicht nur etwa die Assimilanten treffen, sondern ebenso die Nationaljuden des Westens, ja,'auch die des Ostens. Er findet diese noch bedenklieher, weil ihnen die Gelegenheit so reichlich zu Gebote steht, auf die großen, gläubigen Massen unmittelbar einzuwirken. Die Bettung, meint er, kann nur kommen, und da bleibt er nur der Fahne treu, die er sein ganzes Leben hochgehalten hat, aus der Ostjudenheit, weil sie ein gesamtjüdisches, einheits jüdisches, volkstümliches Material bietet. Er glaubt mit einer Inbrunst sondergleichen an die Möglichkeit der Erhaltung dieser Masse, an dies Fortbestehen einer jüdischen Insel trotz der veralteten Wirtschafts־ und Kulturformen, ja, er meint, daß wenn diese in Ansehung weltlich-wirtschaftlichen Gedeihens versagt, dafür nicht das Zuviel an religiöser Treue, sondern ein Zuwenig an religiöser Kraft verantwortlich ist, daß die im Beligiösen wurzelnde Kraft der ostjüdischen Massen außergewöhnlich und stark genug ist, um Welt und Zeit zu widerstehen. Aber freilich er verschließt seine Augen auch nicht vor <ler Schuld. Und das ist die Genügsamkeit und die Zufriedenheit mit dem Bestehenden, die froh ist für sieh dem allgemeinen Abfall entronnen zu sein. Nicht das sei der Wille Gottes, daß wir uns bloß mit der Einsamkeit, mit dem Leben nach dem Gesetz zufrieden geben, so sehr hier auch die Verursachung ja der Anfang unseres Wirkens sind, sondern daß wir die Einsamkeit, das Gesetz ausnützen, um den letzten Absichten zu entsprechen, die Gott mit uns hat. Es fehlt jene schöpferische Unruhe und Ungenügsamkeit, die imstande ist, eine Welt nach dem Diktate des Geistes zu gestalten. Und so ruft er denn auf zur Tat. Wir sollen den Messias herbeizwingen, den er mit glühender Beredsamkeit dem Missionsmessianismus Hermann Cohens und dem nationalen Bubers gegenüber als den persönlichen schildert ״den Einen, den Mann vom Ende der Tage, der kommen wird, um das größte und einzig ewige Werk der Weltgeschichte zu vollbringen, der Gipfel, ein Sohn unseres Volkes, der es durch seine Tat der Taten zugleich aus Erniedrigung emporheben wirdu.

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