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Jeschurun · 1918-08-01 · Heft 8-9 (August 1918) · p. Seite 468

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 8-9 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 468 (sequence 32)
Language
German
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468 Zionismus, National] udeutum und gesetzestreues Judentum. Persönlichkeiten der Weltgeschichte, u. a. auch auf die hebräischen Propheten, als deren Willens Vollstrecker sie sich fühlen und in die Brust werfen. Und Juden —!Kinder des Volkes, dem das ״Gesetz״ in erster Linie nicht Form, sondern offenbarter göttlicher Befehl ist, seinen einsamen Leidens- und Ehrenweg durch das Gedränge der Völker bis ans Ziel der Menschheitsdämmerung zu gehen; das seine Gesetzeszucht als die Voraussetzung religiöser Entfaltung von Millionen und Milliarden Einzelseelen an sich erlebte; das durch sie eine Fülle großer und kleiner Menschen hervorgebracht hat, die an religiöser Kraft, Innigkeit, Hingabe, an reiner Einfalt und tiefer Frommheit, an heißer Gottesleidenschaft die Menschen aller anderen Völker überragen; das vermöge seiner Disziplin seine Anlagen zu Tugenden verdichtete, die seine Laster überstrahlen, — man denke nur an die absolute innere Friedlichkeit des jüdischen Menschen, eine Friedlichkeit, wie sie anderwärts mit allen pazifistischen Theorien und allem gesetzentbundenen Glauben nicht herzustellen war; Kinder eines solchen Volkes — glauben sich nicht ausschießen zu dürfen, wenn die technisierte Menschheit, — in ihrer' Empfänglichkeit für alles, was ihr gestattet, anzunehmen, daß sie nunmehr den Geist betastet, — auf das alte und immer wieder modern sich gebärdende Gesäusel hineinfällt und vermeint, die ungeheuere Bedeutung der religiösen Gemeinschaftszucht für den Läuterungsprozeß der einzelnen wirklich widerlegt zu haben, wenn sie nachweist, was niemand leugnet, daß menschliche Ordinärheit geneigt ist, Bräuche und Zeremonien zu mißbrauchen. Erkennen in dem Mangel allen Verständnisses für die Wahrheit der frommen Handlung und des Symboles nicht die Unkraft und Unsicherheit religiösen und intellektuellen Erlebens, nicht die Spießbürgerbequemlichkeit, die vor tatsächlichen Unbedingtheiten im Dienste des großen unbedingten Gottes zurückschreckt, sondern lassen sich sie als höchste revolutionäre Weisheit auftischen. Lassen sich die besinnungsloseste religiöse Anarchie als religiöse Heilslehre aufschwatzen und wetteifern mit den Schwätzern im Bekenntnis zu dieser geschwätzigen Unfruchtbarkeit. Haben keine Empfindung für den Widerspruch, der darin liegt, daß sie die Formen bagatellisiersn, und, was sie großenteils tun, mit demselben Atemzuge deren Änderung als lebenswichtig für den Inhalt hinstellen. Machen sich keine Gedanken darüber, daß eine lebenswichtige Voraussetzung ewigen Inhalts doch nicht von vorübergehenden Lebens- Verhältnissen abhängig sein darf, sondern wie der ewige Inhalt selbst und mit ihm zusammen, diese Verhältnisse für sich ausnützen, in seinen Dienst zwingen muß. Erkennen nicht, daß das wesentliche Verhältnis zwischen Geist und Form nicht deren zeitweiliges Auseinanderklaffen, sondern ihr dauerndes Aufeinanderangewiesensein ist, daß der Geist nur dann eine Form zerschlagen muß, um durchzubrechen, wenn ganze tri■:!

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