Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 456 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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456 Zionismus, National]udentum und gesetzestreues Judentum. die religiöse Neuschöpfung nur das Resultat einer langsamen Umbildung sein werde, macht er geltend, daß der Geist, wie er vor allem in den Männern prophetischer Wirksamkeit zutage tritt, die Entwickelung umstürzlerisch durchbricht, nicht unter dem Gesetz der Entwickelung steht, sondern sie beherrscht und wider alle scheinbare Regel gestaltet. Und zum zweiten: der Zionismus ist jetzt schon eine Angelegenheit der gesamten Menschheit. Denn die neue jüdische Religion das ist die Menschheitsreligion, deren Erstehen schon lange sich ankündigte und deren Geburtswehen die Menschheit im Grausen des Weltkrieges jetzt erlebt. Fragen wir nun nach dem Inhalt dieser neuen Religion* so sind wir in Verlegenheit, welche Antwort wir darauf geben sollen. Denn es ist die Religion, die Moses, den Propheten, Jesus, Paulus, Spinoza und dem Beseht gemeinsam sein soll. Diese Zusammenstellung, die dem überlieferungstreuen Juden eine Blasphemie ist, erklingt aus den verschiedenartigsten Reden und Aufsätzen Bubers. Die Zusammenstellung wird ermöglicht, weil Buber nicht eine jüdische Religion, sondern jüdische Religiosität fordert und diese als die Forderung der völligen Hingabe an Gott, der Unbedingtheit alles Denkens und Tuns bezeichnet. Aber allen religiösen Genies eignet diese Unbedingtheit und so ist seine Forderung ein leeres Schema, das uns für die Frage, was nun eigentlich jüdische Religion ist, völlig in Stich läßt. Dafür kann auch nicht die Gedankentiefe und die wahrhaft künstlerische Spraehgewalt entschädigen, mit der er die Ideen des Judentums, es sind bei ihm die Ideen der Einheit, der Tat und der Zukunft entwickelt. Sie täuschen vielmehr einen Inhalt vor, indem diese Ideen, es sind in der uns geläufigen Terminologie die des Monotheismus, der Teschuwa und des Messianismus, die bei uns durch eine unübersehbare Fülle von Betätigungsformen Fleisch und Blut erhalten, völlig einseitig auf das Gefühl eingestellt werden und das Judentum von einer Gesetzesreligion zur Gesinnungsreligion degradiert wird. Freilich hat es keinen Sinn, hier mit Buber zu streiten, denn für ihn bedeutet gerade die Gesetzesreligion der denkbar