Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 453 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292986--03017-2296292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zionismus, Nationaljudentum und g־esetzestreues Judentum. 453 schaft gegen die Religionsform des überlieferten Judentums so außerordentlich schroff zutage. Ich muß es mir für eine andere Gelegenheit Vorbehalten, zu der Gedankenwelt Martin Bubers Stellung zu nehmen1). Hier interessiert uns nur die Beziehung dieser Gedankenwelt zum Zionismus und das Verhältnis seines religiösen Zionismus zum gesetzestreuen Judentum. Buber schildert in seiner neuesten Schrift ״Mein Weg zum Chassidismus2״) seinen Werdegang. Nur Kindheitserinnerungen verknüpften ihn mit dem Judentum; die Welt der Halacha, die jedem Ostjuden Luft und Leben ist, das ״Lernen“, von dem auch jeder deutsche gesetzestreue jüdische Jüngling einen Hauch verspürt scheint ihm ganz fremd geblieben zu sein. In den entscheidenden Jahren, wo der Knabe zum Jüngling reift, lebt er ״ohne Judentum“. Dem Zionismus verdankt er ״die heue Einwurzelung in die Gemeinschaft“. Doch das nationale Bekenntnis verwandele den jüdischen Menschen nicht. ״Ich bekannte mich zum Judentum, ehe ich es recht kannte“. ״Auf dem Wege zum Erkennenwollen, erzählt Buber, kam ich zum Chassidismus“. Ein der Totalität jüdischen Denkens, Eühlens und Wollens Entfremdeter oder besser einer, der nie bewußt diese Totalität in sich aufgenommen, kommt, nachdem er in seinen Lehrjahren mit einer Energie ohne Gleichen sich mit nichtjüdischer Kultur durchtränkt, zu einem unserer besten Europäer, zu einem der bedeutendsten deutschen Dichter und Denker geworden, so bis ins Innerste, deutsch, daß seine Sprache beste deutsche Musik, so bis ins Innerste europäisch, daß er auch in die rein christliche Beurteilung von Bibel und Talmud sich eingelebt, dem christlichen Religionsstifter sich so nahe fühlt wie nur ג) Eine bei aller Kürze ganz ausgezeichnete Darstellung und Kritik hat Jacob Rosenheim in der Artikelserie ״Zwischen Krieg und Frieden, zur Orientierung im jüdischen Geistesleben in Deutschland״ gegeben (Israelit 1917 Nr. 21 ft; von Buber handeln Nr. 24—27). Wir hoffen zuversichtlich, daß diese wertvollen Ausführungen auch in Buehform erscheinen werden. , x 2) Bütten und Löning Frankfurt a. M. 1918. 31