Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 446 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. hältnisse handeln wird, in denen alle Völkerunterschiede und Name yndBegriff der Vaterlandsliebe an sich verschwinden. Wenn hier überhaupt von einer halachisch rezipierten Auffassung die Rede sein kann, so ist es die desRambam1), der die Ansicht verficht: אין בין העולם הזה לימות המשיח אלא שעבוד מלביות בלבד daß nur die politische Befreiung Israels das Ergebnis der messianischen Zeit sein wird, aus der freilich die geistige und sittliche Erhebung des Volkes und der Einfluß auf die anderen Völker im Sinne der prophetischen Weissagungen sich ergeben wird. Komplizierter wurde das Verhältnis zur Vaterlandsliebe durch die allgemein erst nach dem ersten Kongreß einsetzende systematische Ausbildung des Begriffes Nationaljudentum. Die Glieder der jüdischen Nation scheiden sich scheinbar von denen der deutschen Nation in der Betonung ihres Ursprungs, in der Richtung ihrer Ziele und darum auch in dem Gegenstand ihrer Liebe. Aber nur scheinbar. Und nur deshalb, weil mit Worten gestritten und nicht auf die Sache gesehen wird. Die ״jüdische Nation“ auf deutschem Boden bleibt eine Mischung, die mit unzähligen Fäden in der deutschen Kultur verwurzelt ist. Fäden, die so außerordentlich stark sind, daß sie trotz aller theoretischen Willenserklärungen und aller Versuche einer Einfühlung in eine andere Kulturwelt nicht gelockert werden können. Und diese Kultur in Verbindung mit all den Eindrücken der Umweit, in die der deutsche Jude hineingeboren, all die Heimatsgefiihle, all die Erinnerungen an die Geschichte der hier in Glück und Unglück dahingegangenen Geschlechter, das wirkt immer noch mit einer Kraft, vor der die Vaterlandsliebe maneher ״Teutonen“ verblaßt. Wie einst die spanischen Juden sich in Heimweh nach dem Lande' verzehrten, in dem ihre Wiege stand und die Gräber ihrer Väter lagen, trotzdem das Land ihnen so unsagbares Leid angetan, wie sehr selbst die osteuropäischen Juden oft das Land, das ihre Qual und Erniedrigung gesehen, nicht vergessen können, so würde es auch, mit den. l) Hilch. Melachim XII, 2.