Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Vier Jahre Weltkrieg. 433 Nie haben wir die Völker verantwortlich gemacht für das, was geschehen, immer nur die Verführer und das Hassen gegeißelt, gegen wen es sich auch richtete, wenn es nicht das ״große Hassen״ war, der Haß gegen die Schlechtigkeit an sich, gegen die großen Völkerverderber. Auch den landläufigen Patriotismus, wie er vor allem in dem Herandrängen zum kriegsfreiwilligen Dienst sich kund gab, haben wir schon zu Anbeginn als ״heroische Schwachheit״ erkannt, und die Pflicht, die Gesetzestreue als die wahre Staatstugend bezeichnet. Daß nicht die Jünglinge, die Blüte der deutschen Jugend, die vor Dixmuiden nutzlos sich opferten, sondern die Männer, die an der Somme und Aisne wie eine Mauer standhielten, weil ״sie nicht um einen Zoll weniger, aber auch nicht um einen Zoll mehr sich töten ließen, als die ihnen gestellte Aufgabe erheischtedie wahren Helden sind, wird wohl heute von niemandem bestritten werden. Wir brauchten nicht erst durch diesen Krieg zum echten Pacificismus bekehrt zu werden, wir haben die Greuel des Krieges schon gleich im Anbeginn, im ersten Aufsatz ausgemalt und daß durch das Eintreten Englands ein jahrelanges Ringen auf Leben und Tod zu erwarten war, das Entsetzliche immer größere Dimensionen annehmen und zermürbend auf Körper und Geist auch der Daheimgebliebenen wirken mußte, war von jedem vernünftigen Menschen vorauszusehen. Aber uns gerade von denen, die in erster Reihe die Wortführer religionsfeindlicher Bestrebungen waren, die alles in den Staub zogen, was nur mit der Ehrfurcht vor Gott in Berührung stand, den Glauben an ״den ewigen Frieden״, an die Reinheit und den Edelmut der Menschenseele, an die automatisch nach diesem Kriege eintretende Selbstlosigkeit aller Völker aufschwatzen zu lassen, das vermögen wir auch heute nicht. Wenn wir nicht G. b. nach dem Vorgang früherer Zeiten in eine längere Kriegsperiode eingetreten sind, wenn die zuckende Menschenwelt s. G. w. bald endgültig zur Ruhe gekommen sein wird, dann werden die Völker an diesem grauenerregenden Aderlaß von selbst genug haben und in absehbarer Zeit sich nicht zur Schlachtbank führen lassen.