Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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43 2 Vier Jahre Weltkrieg. ker, sondern weil alles zu verlieren und nichts zu gewinnen war. Die märchenhafte Entwickelung, der geradezu wunderbare Aufstieg der deutschen Industrie und des deutschen Handels in dem letzten Jahrzehnt vor dem Kriege war nur möglich und in ihrem Fortbestand gesichert durch den Frieden. Diese Entwickelung war freilich zuletzt die eigentliche Ursache der kriegerischen Auseinandersetzung. Sie als eine Schuld zu buchen, haben die am wenigsten ein Hecht, die dem Panslavismus, der Revanche, dem Neid auf den glücklichen Nebenbuhler in ihren Völkern kein Halt geboten. Noch immer kann ich in dem Neutralitätsbruch gegenüber Belgien kein Verbrechen sehen. Denn ein unvorsichtiges Wort bleibt darum doch eine Wahrheit und ein jüdischer Spruch lautet: הבא להרגך השכם להרגו, was Bethmann-Hollweg etwas frei aber richtig wiedergab in der Form: ״Not kennt kein, Gebot“. Es ist für die Neutralen so recht bequem zu sagen, man hätte es darauf ankommen lassen sollen, ob Frankreich die Neutralität gebrochen hätte, sie sind weit vom Schuß. Die Ereignisse des Weltkrieges haben es doch zur Genüge gelehrt, daß es jederzeit gelungen ist, ohne die Neutralität formal zu brechen, im rechten Augenblick den zögernden Neutralen zum Anschluß an die Entente zu bewegen. Noch immer bin ich der Überzeugung, daß die unsympathischsten Gestalten unter den führenden Männern im Völkerringen jene sind, die das Wort vom heiligen Egoismus und dem gottgesegneten Volke geprägt haben. Und der Präsident der Vereinigten Staaten, der ״begeisterte Vorkämpfer für den Völkerbund“, der in dem Augenblick, wo die Probe auf das Exempel gemacht werden soll, wo es sich darum handelte, ob nun dort, wo die Ehre verletzt wird, zwar die schärfste Rechts- Verwahrung einzulegen, aber nicht zu den Waffen gegriffen werden dürfe, selbst unter die schlimmsten Kriegshetzer geht und uns einreden will, daß er allein einen selbstlosen Krieg führe, er erscheint uns immer noch als ein Heuchler oder ein Narr.