Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Vier Jahre Weltkrieg. 431 worden. Und er muß sich andrerseits klar darüber werden: War er nicht am Anfang des Weltbrandes ein Spiel der Leidenschaft, die ihn überwältigt hatte, kann er mit reinem Gewissen auch nach vier Jahren des entsetzlichen Geschehens die Uber- Zeugungen vertreten, die er in der Hochflut der ersten stürmischen Wallungen der Erregung beim Ausbruch des Krieges verkündet. Vor zwei und einhalb Jahren gingen meine Aufsätze über den Weltkrieg als Buch hinaus und nun, da ich das Vorwort zur fünften Auflage schreibe, glaube ich, trotz der Distanz, die ich zu ihnen allein schon durch die zeitliche Entfernung gewonnen und nach allen Enttäuschungen, die uns die vier Jahre gebracht, kein Wort daran ändern zu müssen. Es wird mancher, der gefühlmäßig den Abstand zwischen dem Damals und Jetzt abmißt, widersprechen; aber wer diese Aufsätze ohne Vorurteil liest, und auf die Schatten achtet, die schon damals sorgsam neben dem Lichte verteilt waren, wer vor allem seine Überzeugungen nicht mit dem Verlauf der Ereignisse gewechselt, der wird es unterschreiben dürfen. Ein jeder Jude in seinem Lande stand unter dem Einfluß der geistigen Mächte, die in seiner Heimat zum Kriege Stellung nahmen. Die Aufgabe war, sich der Wucht dieses Einflusses zu entziehen und das zu sagen, was das Judentum in seinen ewigen Ideen über Pflicht und Gerechtigkeit, über Krieg und Frieden, über individuelle und politische Moral zu künden hat. Noch immer steht uns die Gerechtigkeit der deutschen Sache beim Ausbruch des Krieges außer Zweifel. Was vermögen daran die jetzigen Kundgebungen der Annexionisten zu ändern? Wer war denn so kindisch, daran zu zweifeln, daß es vor dem Kriege auch bei uns materiell und ,.geistig“ Interessierte an dem großen Morden gab? Traut man einem, der die politische Entwickelung verfolgt, denn zu, daß er nie die Rheinisch-Westfälische Zeitung gelesen? Aber die große Masse des Volkes und auch die Führung, der die Interessen des gesamten Volkes am Herzen lag, mußte friedlich gesonnen sein. Nicht weil sie besser und edler war als die der anderen Völ- 29*