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Jeschurun · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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428 Zionismus und Misrachismus. mich Gesetzestreues Judentum anscheinend auch nur ein ״Parteibekenntnis44. Auch diese Auffassung muß ich entschieden zurückweisen״ Nicht in meinem Sinne sollte Thorajudentum als Parteisache hingestellt werden, sondern der Ausdruck war im Geiste und Sinne der andern, der gegnerischen Seite gemeint. (Vielleicht wäre richtiger gewesen, ״von einer Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen Richtung‘4 im Judentum zu sprechen, Parteibekenntnis ist in der Tat für ,,Thorajudentum‘4 ein zu enger Ausdruck). Für uns Misrachisten ist und bleibt das Thoraideal das Zentralfeuer, und auch der Zionismus kann uns nur als Etappe zur Verwirklichung des Thoraideals dienen. Wir unterschreiben den Satz Amitais, (Jude, Märzheft, p. 738), daß für den orthodoxen Juden Zionist werden bedeutet: ״das wahrhaft werden, was er unbewußt, auf Grund der Prinzipien, die er als bindend anerkannt, sein will und soll, im Grunde also er selbt werden.“ Nicht eine politische Neuorganisierung, sondern eine nationale, volksgemeinschaftliche Neubelebung der Thoraformen tut der Orthodoxie not. Und diese Formen sind nicht nur religiöskonfessionellen Ckarakters, sondern nationaler, artbestimmende unverrückbare Merkmale unserer Gemeinschaft, daher für jeden Zionisten eigentlich bindend. * % Überall, durch die ganze Natur- und Geisteswelt geht ein Dualismus: Seele und Körper, Verstand und Gemüt, Welt und Idee, Religion und Wissenschaft, um nur die wichtigsten Dualismen zu nennen. Dem synthetisch schaffenden Menschengeiste liegt es ob, diese Pole zu vereinigen. So denken wir uns auch den scheinbaren Antagonismus zwischen Zionismus und Religion: der Zionismus in seiner jetzigen Form löst das soziale, ökonomische und hygienische Problem, die Religion allein kann das metaphysische Sehnen des jüdischen Volkes restlos befriedigen. Der Jude der Jetztzeit hat ein ungemein kompliziertes Innen- und Außenleben, religiöses Sehnen steht im Widerstreit mit materiellem Begehren; für seine äußeren Nöte kann ihm der Zionismus Retter werden, indirekt auch für die kulturelle Not, doch Ewigkeitswert als Gottesvolk kann uns nur die Religion verleihen.

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