Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Zionismus und Misrachismus. Darauf ist zu erwidern: Auch wir Misrachisten betrachten uns als Träger des Gottesworts und sind nicht gewillt, auch nur ein Titelchen dieser erhabenen Mission irgendeinem zionistischen Ideal zuliebe preiszugeben. Auch wir leben der Überzeugung, daß wir die עשךיה des Prophetenwortes bilden, daß wir zu jenem Zehntel gehören, von dem der ewige Bestand des Judentums abhängt. Aber uns von der zionistischen Bewegung, dieser gewaltigen Erweckung der Gesamtjudenheit, aus Mißtrauen und Ängstlichkeit fernhalten, nein, das können und wollen wir nicht. Keineswegs sind wir verblendet genug oder ist unsere Parteibrille derart ״von Begeisterungsnebel*'‘ getrübt, daß wir in der Errichtung des zionistischen Ideals das Endziel der von uns ersehnten vollkommen gottgewollten Staatsverfassung erblicken; diese ist vielmehr und bleibt vorläufig ebensowenig erreichbar wie das Ideal des ewigen Friedens. Aber der Zionismus ist doch eine Erhöhung des Begriffs Jude- Sein, des Menschentums im Judentum, ist doch die beglückende stolzbewußte Botschaft an den Kleinsten und Letzten unter uns Juden, sich als Träger und Brüder einer Welteinheit zu fühlen, sie ist kein Messiasruf, daß wir erst fragen müßten: Seid ihr die Sendboden Gottes, wollt ihr das Gottesreich uns bringen? Wo ist euer Freibrief, wo eure Beglaubigung? Wo ist das Wunderbare eurer Sendung? Sondern etwas ganz Irdisches soll geschehen, die Möglichkeit soll geschaffen werden, daß ein freies Volk auf freiem Boden stehe — und das sollte dem Thoraideal zuwiderlaufen? Das könne nur das Streben einer thorafreien Judenheit sein? Ist das wirklich Ihre Meinung, verehrterHerrDr. Wohlgemuth? Ist es nicht vielmehr Pflicht, heilige Gewissenspflicht aller frommen Lehrer und Mahner in Israel, darum und eben darum einer solch zukunftsschwangeren Juden־ tumsVerjüngung Beihilfe zu leisten, damit nicht das Fürchterliehe eintrete, daß auf Palästinas Boden ein jüdischer Staat jüdischen Glaubens bar erstehe. Wäre ein Beisteuern zum Nationalfonds wirklich, wie Sie, hochg. H. Dr., behaupten, ein Opfer des Glaubens? Oder vielleicht nur ein Opfer eines geliebten Prinzips? Hat je einer von uns ein solches Glaubens-