Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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424 Zionismus und Misrachismus. brückbare Kluft von Achad Haam trennt: Für Achad Haarn ist die jüdische Religion nicht das Endprodukt einer spontanen göttlichen Offenbarung, sondern Niederschlag eines natürlichen Entwicklungsprozesses und besonderer völkischer Veranlagung. In dieser Beziehung muß der Misrachi natürlich seine Gegensätzlichkeit gegenüber Achad-Haam stets betonen. (Siehe auch Festschrift d. rHaschiloach“ für Achad-Haam Odessa 1914 S. 249f.). Eins wollen wir aber nicht vergessen! Achad-Haam ist sowohl in poetischer, als auch religionsphilosophischer Hinsicht ein Eigener, zuweilen von dem Ausmaß eines Nietzsche. Man wird ihm nicht gerecht, wenn man einzelne grandiose Lehrmeinungen dieses Romantikers des Jungjudentums auf ihre Brauchbarkeit und Nutzanwendung für das praktische religiöse Leben prüft und seziert. Ebensowenig wie man bei Nietzsche fragen darf: Wie züchtet man die Übermenschen? Wo bleiben die Zwischenglieder? ebensowenig darf man A. Haams Begriffsprägung von der angeblichen ״Versteinerung der Gesetze״ als einen Ruf nach Umwertung des Thoragesetzes verstehen oder nach der Grenze zwischen den Pflichten des Herzens und des Gesetzes fragen. Wer den warmen Gefühlston und den dichterischen Schwung seines Pathos und Temperaments auf sich wirken läßt, wer ihn in wahrster Aufrichtigkeit dem Traditionstreuen die Bruderhand entgegenstrecken sieht, der wird wahrlich nicht den Eindruck erhalten, daß er als Neuerer und Zerstörer gekommen ist. Mag in seinen Ausdrücken und Forderungen manche Einzelheit als verstiegen und mißverstandlieh abgewiesen werden, als Mitkämpfer für unsere Sache dürfen wir thoratreuen Zionisten ihn immerhin schätzen. Wir haben somit nachgewiesen, daß nicht alle, alle zionistischen Schriftsteller dem Gesetzesabfall das Wort leihen, sondern bedeutende Ausnahmen sich darunter finden.1) Doch 1) Daß sich noch namhafte hebräische Schriftsteller wie A. S. .Rabbino witsch, Jaawitz, Jellin, Rabbiner Kuk (der sich, wie mir Herr Dr. Engel mitteilt, gerne den ״jüdischen Achad-Haam“ nennen hört), Lifsehitz n a., daß sich ferner Dichter wie Bialik, Perez. Scholem Alej ehern u a. auf unsrer, der thoratreuen Zionisten, Seite befinden, sei nur im Vorübergehea erwähnt.