Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zionismus und Misrachismus. 419 Palästinas) eine beherrschende Rolle spielen“. (Jeschurun, 5. Jahrgang, Heft 1/2, S. 16 derselbe Satz Jeschurun, 3. Jahrgang S. 594) Ebenso soll nach Achad Haam die Einflußnahme streng frommer Rabbiner auf den Gang zionistischer Ereignisse vor Radikalismus bewahren (ib. Jeseh.). Es sei ohne weiteres zugegeben, daß die Grundsätze Achad Haams weit entfernt davon sind, orthodox genannt zu werden (wie das Wohlgemuth in seinem Jubiläumsartikel über Achad Haam, Jeschurun, III. Jahrgang. Heft 11, in scharfsinniger und überzeugender Form dargelegt hat) Dennoch aber möchte ich gegenüber allen Einwendungen Wohlgemuths an der Ansicht festhalten, daß Achad Haam, im bewußten Gegensatz zu den Anhängern der Haskala-Bewegung in Rußland, als konservativ anzusprechen ist, und mit den liberalen Reformrabbinern nicht in einem Atem genannt werden darf. Vor allen Dingen ist folgender grundlegender Unterschied festzuhalten: Unsere Liberalen nehmen sich selbst das Recht zu entscheiden, was von dem Thoragesetz erhaltenswert und was als unzeitgemäß abzuschaffen sei. Achad Haam hingegen, der konservative Volkserzieher, möchte keinen Stein vom andern in der Gesetzesreligion ohne Einverständnis des ganzen Volkes und seiner frömmsten Führer lösen lassen, er denkt nicht an einen gewaltsamen Eingriff, er denkt nicht an Revolution, sondern an Evolution. Wenn er von den Rechten des Herzens gegenüber dem strengen Rechtsglauben des ״Auge um Auge“ usw. spricht, das durch die Auslegung unserer Weisen in ״Geld um Auge“ gemildert wurde, wenn er die Einzelvorschriften über den jüdischen Scheidebrief als bisweilen hart bezeichnet (mit Unrecht! denn der Grund ist wohl, um leichtfertige Scheidungen zu erschweren) und sich von einer Erneuerung des Volkes im eigenen Lande auch manche Neuordnung halachischer Vorschriften durch spontane Willensbeschlußfassung aller jüdischen Geistesautoritaten — wir würden sagen: einesSynhedrions — verspricht, wenn er als Dichter diesen Königstraum träumt, ist dies mit leichtfertiger Reformstreberei oder mit frivolen Zersetzungstendenzen eines Lilienblum oder Berdiczewzki oder Tschernikowski gleich-